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Anton Kuh - Biographie
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143 Börnes Polemik gegen den »Franzosenfresser« Wolfgang Menzel sei  die »Auseinandersetzung mit dem Treitschke-Thoma-Ludendorff- Typus seiner Zeit« gewesen. Und seine Fehde gegen Goethe habe auf den »deutschen Philister« gezielt, der sich in der nachnapoleonischen Zeit, der »Brutzeit des deutschen Spießers«, in seiner Häuslichkeit gemütlich eingerichtet habe und den er im apolitischen »dichtenden Minister« exemplarisch verkörpert gesehen habe: »Er fühlte: dieser Ausnahmegeist und diese flachgewalzte Zeit  – sie sind dasselbe; er wird ihre Recht- fertigung sein, wie sie sein Produkt ist.« Das Verhängnis, das darin bestand, daß Goethe würdevoll »den ge- weihten Ornat dazu trug als Vorbild für die anderen«, habe Börne ge- ahnt. »Die Nation, die so gerne ›Vivat‹ ruft und katzenbuckelt, in Reih und Glied um einen Mittelpunkt geschart, in dienender Pose erstarrt, würde fortan der Dichtung ihr gesondertes Feld zuweisen, wo sie tag- und zeitfern waltet, der reverente Geistesgenuß einiger weniger würde für die abgeluchste Wirklichkeit Ersatz sein müssen.« In Börnes Anschreiben gegen den politisch lethargischen deutschen Biedermann, der sich aus Angst vor dem Draußen auch noch unter das  »kosmisch-philosophische« Obdach des Deutschen Idealismus begeben habe  – »eine uranische Kuppel der Diesseitsflucht, eine Fort- setzung des Subordinationsbedürfnisses ins Metaphysische«  –, erkennt Kuh einen Vorschein der Nietzscheschen Polemik gegen den dünkel- haften »Bildungsphilister« wie den Kuhschen »Intelligenzplebejer«, ob  nun in der chauvinistischen Zurüstung des »Potsdam-Deutschen« oder der des deutschnationalen Couleurbruders: »Börne sah es im voraus. Und er sah das Umgekehrte: den antisemitischen, kleinen, fei- gen Schweißmützenbruder, sich mit dem Wort ›Goethe‹ den Mund ausspülend und für jedes Vergehen seines Ungeists sich mit dem Satz verwahrend: ›Schon Goethe sagt‹. Er sah die verheerende Wirkung, die  daraus entstehen müßte, daß gerade dieses Volk einen unpoliti- schen  Dichter an seiner Spitze hatte, einen Bürger aus seinem Fleisch und Blut, als musengekröntes Oberhaupt. Sein Ausnahmsrecht wird, weiß er, von Stund an von jedem reklamiert, der deutsche Geniequell noch mehr verstopft werden, ichsüchtiger Schreiberdünkel sich in sei- nen Schatten stellen, die Bildung den Geist verraten und endlich: Men- schen, die seine Visage geerbt haben,5 werden es ihm gleichtun und sich  vom mißlichen Strand der Zeit auf noble Gestaltungshöhen zurückziehen.« Was Wunder, daß die Deutschen Börne am liebsten, beschwert mit dem Grabstein »Gesamtausgabe«, in der Gruft sehen wollten  – Kuh: »Sie wollen Börne, den Klassiker  – nicht Börne, den Zeitgenossen.«
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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