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Anton Kuh - Biographie
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144 Der Rezensent der »Dötz« übergeht nicht von ungefähr, »was [Kuh] an Börnes Schriften wert hält, der Gegenwart in Erinnerung zu brin- gen«. Welcher Deutsche, zumal vom Schlag strammer Teutone, will sich schon Bemerkungen unter die Nase reiben lassen wie: »und an Geist fehlt es ihnen, weil sie Deutsche sind«; oder: »Die Deutschen können das Befehlen und das Gehorchen nicht lassen, und es ist schwer zu be- stimmen, woran sie am meisten Vergnügen finden. Auch ist es ein höchst deutscher Dichter, welcher singt: ›Du mußt herrschen oder die- nen, / Amboß oder Hammer sein.‹ Treffender Spruch, ob er schon eine große Unwahrheit und eine abscheuliche Verleumdung der mensch- lichen Natur enthält. Herrschen oder dienen, das heißt Sklave sein auf diese oder jene Weise; dort umschließen goldne, hier eiserne Stäbe den Käfig. Die Kette, welche bindet, ist so gebunden als das, was sie bindet. Aber der Mensch ist zur Freiheit geboren, und nur so viel als die Lebens- luft der Beimischung des Stickgases bedarf, um atembar zu sein, soviel muß die Freiheit beschränkt werden, um genießbar zu bleiben«  – Der »höchst deutsche Dichter« ist Johann Wolfgang Goethe (»Kophtisches Lied«); oder: »[Napoleon] wußte, daß der Deutsche gern ein Knecht ist, wenn er nur zugleich einen Knecht hat«; oder: »Die armen Deut- schen! Im untersten Geschosse wohnend, gedrückt von den sieben Stockwerken der höhern Stände, erleichtert es ihr ängstliches Gefühl, von Menschen zu sprechen, die noch tiefer als sie selbst, die im Keller wohnen. Keine Juden zu sein tröstet sie dafür, daß sie nicht einmal Hofräte sind«. Die Börne-Auslese, die »Der Republik Deutschland zum Studium« gewidmet ist, wie die Vorrede wirkten »nach den deutschen Begeb- nissen von 1921 als rückschauende Prophetie«, hält Kuh in einer Nach- bemerkung fest, sie seien aber lang vorher zusammengestellt resp. ge- schrieben und gedruckt gewesen. »Verzögerungen in der Herstellung haben allem, was darin deduziert ist, den Anschein induktiver Darstel- lung gegeben.«6 Und gerade in den Tagen, da Kuh letzte Hand an die Börne-Auswahl legt, da er »mit dem erlauchten Urahn und Blutpatron Hardens be- schäftigt war, seinem sprach- und gesinnungsfesteren Parteigänger«, stehen jene beiden Männer aus dem Umkreis der rechtsextremen »Or- ganisation Consul«  – sie war für eine ganze Serie politischer Morde verantwortlich, die sich vornehmlich gegen jüdische Persönlichkeiten in führenden Positionen in Staat und Gesellschaft richteten  – vor dem Landgericht Berlin III, die am 3. Juli des Jahres Maximilian Harden angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Am 14. Dezember 1922 werden der zweiundzwanzigjährige Landwirtschaftsgehilfe Her-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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