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Anton Kuh - Biographie
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148 Leopoldstadt.  – Die Vorgeschichte: Am 15. Feber spricht Georg Fried- rich Nicolai im Saal des Ingenieur- und Architektenvereins in der Eschenbachgasse über »Deutsche Kultur«. Der Arzt und Physiologe verfaßte als außerplanmäßiger Professor an der Berliner Universität kurz nach dem hurrapatriotischen »Aufruf an die Kulturwelt« vom 4. Oktober 1914 und der »Erklärung der Hochschullehrer des Deut- schen Reiches« vom 16. Oktober Ende des Monats das pazifistische Gegenmanifest »Aufruf an die Europäer«. Ganze drei Kollegen setzten ihre Unterschrift unter das Manifest: der greise Astronom Wilhelm Julius Foerster, der Philosoph und Übersetzer Otto Buek und Albert Einstein. Der Aufruf erschien erst zwei Jahre darauf als Einleitung zu Nicolais Buch »Die Biologie des Krieges« (Zürich 1916), einer Abrech- nung mit gängigen politischen Vorstellungen vom Krieg als quasinatür- lichem Phänomen. Einem militärgerichtlichen Prozeß wegen seiner pazifistischen Aktivitäten entzog sich Nicolai im Juni 1918 durch Flucht nach Dänemark. Die Wiederaufnahme seiner medizinischen Vorlesun- gen an der Charité scheiterte 1920 am Widerstand nationalistischer Studenten, die gegen den »Vaterlandsverräter« randalierten. Der Kon- flikt endete nach Intervention von Rektor Reinhold Seeberg  – mit der Aberkennung von Nicolais Venia legendi. Begründung: »[Nicolai] hat gegen die Ideen einer reinen Gemeinschaft gehandelt, gegen den Grund- satz alles sozialen Wollens. Denn er hat die, mit denen er zusammen- gehörte, bei denen er alles empfangen hat, was er körperlich und geistig besitzt, mit denen er gemeinsam arbeiten und kämpfen sollte, in der Stunde der Not schnöde verlassen, hat vom sicheren Ort aus ihren Feinden vergiftete Waffen in die Hand gegeben und tatsächlich mit diesen gemeinsame Sache gemacht. / Aus diesen Gründen ist der akade- mische Senat einstimmig zu der Feststellung gelangt, daß die an ihn gestellte Frage, ob Professor Nicolai würdig sei, seine Lehrtätigkeit an der Universität fortzusetzen, verneint werden muß.«18 Da mehrere rechte Gruppierungen, vom »Völkisch-antisemitischen Kampfausschuß« über die »Ostara« bis zu den Großdeutschen, dazu aufgerufen haben, den Wiener Vortrag Nicolais zu sprengen, findet die Veranstaltung unter massivem Polizeischutz statt. Fünfzehn Minuten nach Beginn, um 19.45 Uhr, gibt ein schriller Pfiff das Signal zum Kra- wall. Eine Handvoll Radaubrüder drischt mit Gummiknüppeln und Drahtpeitschen blindlings auf ihre Sitznachbarn ein, Stinkbomben flie- gen von der Galerie in den Saal. Die Randalierer werden von Zuhörern und Polizei überwältigt und abgeführt. Hakenkreuzler-Trupps, die sich um das Gebäude versammelt haben und in den Vortragssaal vorzudrin- gen versuchen, werden von Wachleuten zu Fuß und zu Pferd abgedrängt.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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