Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Anton Kuh - Biographie
Seite - 151 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 151 - in Anton Kuh - Biographie

Bild der Seite - 151 -

Bild der Seite - 151 - in Anton Kuh - Biographie

Text der Seite - 151 -

151 Studentinnen wurden die Hüte von den Köpfen gerissen und sie wurden von den deutschvölkischen Studenten durch Faustschläge blutig ver- letzt. Eine sozialistische Studentin wurde besonders übel zugerichtet. Nachdem sie bereits von deutschvölkischen Studenten blutig geschlagen worden war, stürzten sich vier Studentinnen, die ebenfalls das Haken- kreuz trugen, auf das junge Mädchen und rissen sie an den Haaren. / Besonders empörend wirkte die Mißhandlung einer etwa fünfundsech- zigjährigen Frau […]. Die alte Frau wurde unter Spottreden und unter den Rufen ›alte S . . jüdin‹ geschlagen und die Treppe hinuntergestoßen. Weinend erzählte sie den Passanten, der ganze Körper schmerze sie von den Prügeln, die sie überdies einem Mißverständnis verdanke, da sie gar keine Jüdin sei.«22 Da gibt’s für Kuh keine Würscheln: »Was soll […] die Lüge vom ›heiligen akademischen Boden‹? Worin liegt die Heiligkeit eines Ter- rains, das sich von der Außenwelt nur durch die Alleinherrschaft der Plebejer unterscheidet? […] / Die Hochschulen aber, Brut- und Zucht- stätten des künftigen Amtsgehorsams, Kinderspielplätze jener Welt- anschauung, die bei allem Goldglanz doch nur im Arretieren und Arre- tiertwerden gipfelt, sollten noch immer, weil ein dummer Sprachbrauch es will, von den Ordnungsbehörden unangetastet bleiben? Studenten das Recht auf Prügelei und Exzeß haben, das man Plattenpülchern23 verweigert? Warum und wozu? Welche Ursache hätte die Behörde, ruhig zuzuschauen? / Da der Studenten ganze Seele und Gesinnung, ihr völkischer Idealismus nichts als ein Ruf nach der Polizei ist  – warum diesen Ruf überhören? / Der ›heilige akademische Boden‹ ist tot. Die ›Schauplätze wüster Szenen‹ aber hat der Staat mit gleichen Mitteln zu säubern, ob sie eine Universität sind oder ein Fußballplatz.«24 Ein sogenannter Fememord unter Nationalsozialisten  – in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 1923 erschlägt der neunzehnjährige Rudolf Nowosad, Kopf der »Trutztruppe Nowosad«, den achtzehnjährigen Konrad Karger in der Nähe von Neulengbach mit einer Beilpicke  – ist Anlaß zu einer breit geführten Diskussion über die Umtriebe haken- kreuzlerischer Terrornetzwerke und ihrer Hintermänner. Für Kuh nur Konsequenz einer ins Politische gewendeten »Dolch-, Verschwörer- und Abzeichen-Romantik, die […] statt ins Heldenbuch ins Verbrecher- album« führe. »Der Windjackenbub ist also kein Sturmgeselle mehr wie ›Heinz der Lateiner‹; er ist ein terroristischer Gernegroß […]. / Der Mörder Nowosad  – der Witz der Vorsehung hat ihm als Deutschnatio- nalem den obligaten Tschechennamen gegeben  – war wie sein Opfer ein Windjackenträger. Außerdem saß er ein halbes Jahr wegen Dieb- stahls und wurde aus der Schule geworfen. Ferner bezog er als Terror-
zurück zum  Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Anton Kuh