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Anton Kuh - Biographie
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154 bach und St. Kathrein.« Das Gebirge dringe vor  – Schreckensszenario: »Weandorf«.32 »Provinz«, das ist für Kuh »die Sense gegen den Geist, der Dresch- flegel gegen die Natur […], die Unerbittlichkeit des Pferchs, der Glaube an den Pfarrer«,33 das ist  – ob nun als Kremser, Linzer, Grazer, Ko- motauer oder Teplitzer Variante  – »der Wille zur Kleinstadt, die auf- stampfende, leimig-gevatterhafte Lust am Untersichsein. Jener gewisse Treudeutschtrott vor allem, der wie die zeremonielle Kehrseite der Vergalltheit wirkt«.34 Immer wieder glossiert Anton Kuh angewidert die unter »Sanie- rung  der Seelen« (neben jener der Wirtschaft) laufende programmati- sche moralische Aufrüstung Österreichs während der Kanzlerschaft des Prälaten und christlichsozialen Politikers Ignaz Seipel  – die »Re- katholisierung« erleben liberale Zeitgenossen als christlich-völkischen Tugendterror. Desgleichen die in den zwanziger Jahren um sich greifende Kaka- nien-Nostalgie. Die zunehmende publizistische Präsenz des »zeitabge- bauten, morosen Bildungsspießers, der den Begriff Alt-Wien und die bodenständige Kultur […] zum Protest gegen das politische Neu-Wien mißbraucht«, der, »ein Staberl hinterm Rücken, unentwegt auf die Bodenständigkeits-Pirsch« geht35, verdrießt ihn. Diese von Kuh mit bedachtem Anklang »Antishimmyten« genannten Spießer, die in ihrem »Mißbehagen über gewisse Verfassungs- und Lebensformen der neuen Zeit« den Dreivierteltakt gegen den Shimmy ausspielen und den Donau- walzer zu ihrem Kriegslied erkoren haben,36 sind mitverantwortlich für den Wandel Wiens von der weltstädtischen Metropole des Habsburger- reichs zur älplerischen Hauptstadt der Konkursmasse Rest-Österreich. Im Mai 1923 ein Déjà-vu, das sich ins Bild »Kampf der Länder gegen Wien« fügt: Wie schon während des Weltkriegs häufen sich die Fälle, da »Damen ohne Begleitung« in Wiener Cafés nicht bedient, sondern des Lokals verwiesen werden  – auf polizeiliche Weisung hin. Kuh: »Denn es ist die Aufgabe der Polizei, allen Ärger, den der Kremser und Komotauer angesichts des weltstädtischen Gepräges Wiens empfindet, amtshandelnd zum Ausdruck zu bringen. […] Die Kaffeehausromantik hört damit auf; die Liebe wird bald nach provinzstädtischem Beispiel ihre zwei gesonderten Rayons haben: links Kasino-Ressource, rechts das »Haus zur roten Laterne«.37 Und als Felix Salten  – »Schöpfer der unvergänglichen ›Mutzen- bacher‹, des besten pornographischen Romans aller Zeiten«, wie Kuh ihm süffisant unter die Nase reibt  – sich bemüßigt fühlt, die verlotterte Moral wiederaufzurichten, und den »jungen Mädchen«, die »im Spiel
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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