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Anton Kuh - Biographie
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160 Wiener Bühne« unter ihrem Direktor Emil Geyer, einem Enthusiasten »ohne die übliche dilettantische Rührigkeit, neuerungsmutig ohne die Berliner Regiekrücke«5, ist für Kuh um 1920 Wiens einziges ernst zu nehmendes Theater. »Darf der Kritiker klatschen?«  – unter diesem Titel entwirft Kuh in einer Polemik gegen einen Kollegen, der ihn »unkritischen Verhaltens« geziehen hatte, weil er sich nach einer Vorstellung zu Beifallsapplaus hatte »hinreißen« lassen, im Oktober 1919 nebenbei eine Art Programm im »Maßstab«, dem von Leo Schidrowitz herausgegebenen »Organ der Teilhabenden für die Teilnehmenden«, das sich als Wiener Pendant zu Siegfried Jacobsohns (vormaliger) Berliner »Schaubühne« verstand und als Parole »nicht akademische Arterienverkalkung, sondern Lust und Temperament«6 ausgegeben hatte. Er geht darin mit einem Berufsverständnis ins Gericht, das den Kriti- ker »als einen Rhadamanthys« sieht, »der mit todernstem, feierlichem Gesicht die Wage ästhetischer Gerechtigkeit in der Hand hält und un- nahbar durch die Parkettreihen wandelt«, dessen Gehrock ein Talar ist, »der ihn vom gaffenden Laien entfernt hält; sein Urteil  – ein Gerichts- beschluß. Er ist ein Oberlandesgerichtsrat der Kunst.« Die Phrase von der »höheren Objektivität« wischt Kuh vom Tisch. Beifall- und mißfall- umbrandet, dürfe der Kritiker mit keiner Wimper zucken, sondern müsse auf einer »Wolke undurchdringlichen olympischen Phlegmas« thronen und von dort »eisig nach der Bühne« blicken?  – Mitnichten! Kritik sei eine Frage der »intellektuellen Temperatur«. In Kunstdingen gebe es Recht- oder Unrechthaben so wenig wie Objektivität. »Was man gleichwohl so nennen kann, ist ein Niveau, keine Eigenschaft. Denn da das ›allgemein Gültige‹, das die Kunst hervorbringt, von einer Erregbar- keit auf bestimmter geistiger Höhe erzeugt wird, so kommt es auch bei dem, was darüber auszusagen ist, nur auf die gleiche geistige Höhe der Erregbarkeit an. Was daraus resultiert, ist objektiv. Was darunter zu- rückbleibt  – und wenn es noch so kühl, so zugeknöpft, so amtsstreng wäre  – subjektiv. / Was aber den Kritiker nicht durch Zeitungszufall und Unkenntnis der Grammatik, sondern sinngemäß zum Kritiker macht, das ist: daß er von den Subjektiven der Subjektivste, von den Erregten der Erregteste, von den Parteilichen der Parteilichste ist. Nicht ästhetische Gesetzeskunde und logische Folgerungskraft unterscheiden ihn vom Mitmenschen, sondern Reizbarkeit.  – Reizbarkeit, zu der ihn die Sprache legitimiert. Sie ist seines Witzes, seines Beifalls, seines Urteils Born. Er muß über ein repräsentatives Nervensystem verfügen, unter Schläfern ein Rasender sein.« Womit auch die Frage beantwortet wäre, ob er klatschen dürfe.7
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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