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Anton Kuh - Biographie
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164 dem unrecht.« So daß die Jessnersche Aufführung von »Richard III.« einer seiner »bleibendsten Nicht-Eindrücke bleiben« wird.19 Die Plattheit eines Hermann Sudermann, dessen Stück »Heimat« den Geist der »Gartenlaube« atme, bringt Kuh auf den Punkt: »Sardou in Röhrenstiefeln. Es war zum Brechen.«20 Dem vielgespielten Hans Müller stehe das Wörtlein »halt« auf die Stirn geschrieben, »diese Parti- kel des grillparzerisch-girardischen Achselzuckens, des unschuldigen Augenaufschlages, der verlegenen Unwiderstehlichkeit. Er ist halt so, er schreibt halt so und kann halt nichts dafür.« Sein Schauspiel »Könige«: »ein Hans Müllersches Grillparzerfeuilleton, praktisch angewandt auf ein Hans Müllersches Lustspiel. […] Aber dieses Meisterwerk eines Gymnasiasten ist die Mache eines Literaten.«21 Auf Hans Saßmann scheint, Kuh zufolge, Christian Morgensterns Wort vom »Diletalent« geprägt. Sein Stück »Das weiße Lämmchen« versammle alle dilettanti- schen Merkzeichen: »ein Einfall, der zwei Stunden nach Luft schnappt; die Szenenführung dem Vorsatz nachpausiert […]. Eine Mischung aus Talent und Trottelei«.22 Karl Schönherr, »Meister der vielsagenden Verstocktheit«, mit seinen fast schon zur Manier ausartenden, ewig gleichen »überlebensgroßen Exemplaren bäuerlicher Verknorrtheit und Härte« und seine »Frau Suitner«: »›G’wissensholm‹. Oder ›Rosmers- wurm‹. Ibsenqual ins Bjuvarische übersetzt.«23 Dem frühen, vom philanthropischen Sozialismus des späten 19. Jahr- hunderts inspirierten Gerhart Hauptmann vermag Kuh durchaus etwas abzugewinnen  – ein »gütiger, naiver, christlicher Wedekind« in etwa24  –, dem »Erben von Goethes Überzeitlichkeitsgestus, von dem dräuenden, antwortheischenden Geschehen des Tages auf noble, neutrale Gestal- tungshöhen« zurückgezogen,25 der für die Barbarei der Gegenwart kein Wort hat, sondern in delphischer Unnahbarkeit zu sagen scheint: »Was geht’s mich an?«, nichts mehr. Henrik Ibsen, diese »Kreuzung aus Swedenborg und Eschstruth«, ist Kuh allenfalls als anschauliches Beispiel dafür noch interessant, wie fern und blaß den späten 1910er Jahren das 19. Jahrhundert ist; seine »Stützen der Gesellschaft« ein »sardouisch dramatisierter Leitartikel«, dem nichts von der bewährten Ibsen-Komik fehlt: »die Hausbackenheit raunt, die Plattheit orakelt, die Banalität macht ›hu-hu‹ und wenn es auf der Bühne ›mal so richtig gemütlich‹ wird, möchte man in einen Stadt- pelz schlüpfen.«26 Carl Sternheim und sein Stück »Die Hose«: »Es war, wie wenn man zweieinhalb Stunden lang ›Simplicissimus‹ geblättert und sich das ver- gnügte Grinsen allmählich in einen Gähnkrampf verwandelt hätte. Stern- heim ist dramatischer ›Simplicissimus‹-Zeichner.«27
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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