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Anton Kuh - Biographie
Seite - 177 -
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177 sein, ich gewiß bedaure, sich auch anno Monarchie gegenüber einem ihm bekannten Journalisten einen so unerhörten, herausfordernden Über- griff erlaubt? / Ein zufällig anwesender Gerichtssaal-Journalist sagte mir später, er habe dergleichen während seiner ganzen Tätigkeit noch nicht erlebt. Ob ich nicht  …? / Nein. Ich verzichte auf den Beschwerde weg  – ich lasse den Dr. Berger leben. / Er wollte ja offenbar bloß der hochnot- peinlichen Amtshandlung über das Wort impertinent unmittelbar einen Anschauungsunterricht über seine Bedeutung folgen lassen.«100 Auf Anregung des Richters gleichen sich die Streitparteien schließlich aus, Kuh entschuldigt sich und verpflichtet sich, als Sühne 400.000 Kro- nen zugunsten der Kriegsblinden zu erlegen sowie die Prozeßkosten zu tragen.* Womit es allerdings nicht sein Bewenden hat. Der Politlyriker der »Reichspost« fühlt sich bemüßigt, eine Probe seines Könnens zu geben: »Ein milder Richter in der Schiffamtsgasse, / Vor dem ein angeklagter ›Dichter‹ stand, / Er dachte, daß er untersuchen lasse / Den scharfen, allbewunderten Verstand. // Ein Angeklagter in der Schiffamtsgasse, / Der war zu denken noch genug gscheit, / Daß er es nicht zur Probe kommen lasse, / Verglich sich demutsvoll zur rechten Zeit. // Drauf ging der Ausgeglich’ne Zeilen schinden / Für eine Kritik, möglichst paradox, / Und alle abendlichen Leser finden, / So schreibt in Wien nur einer, Anton  – Kuh.«101 Zehn Tage darauf ist es an Kuh, zu kassieren. Es ist wieder einmal ein G’riß um die Karten, ist doch angekündigt, daß Kuh am Ende seiner Ausführungen über »unsittliche Kunst« »eventuellen Fragen aus dem Publikum polemische Rede« stehen werde.102 »Sittliche Kunst«  – das schreibt Kuh dem Bürger, der Kunst nach deren Eignung als Zimmer- schmuck beurteilt, wieder einmal ins Stammbuch  – ist ein Widerspruch in sich, eine Vermanschung ästhetischer und moralischer Begriffe. »Alles Sachliche, alles Wahrhafte kann nicht mehr unsittlich sein, alles Un- sachliche und Unwahre ist auch dann unsittlich, wenn es sittlich zu sein scheint. Jeder Künstler, der sich mit den Beziehungen der Geschlechter beschäftigt, ist sittlich, wenn ihm das Erotische etwas Selbstverständ- * Ob die eine Million Kronen, die Kuh im Herbst des Jahres für den »Besten Witz« beim Preisausschreiben der Dolus-Schuhcremefabrik einstreift, aus einer »Zweitverwertung« des Ehrenbeleidigungsprozesses resultiert und er sich damit für die Bußsumme schadlos halten kann, steht dahin. Sein »münd- lich überreichter« Witz trägt jedenfalls den Titel »Ehrenbeleidigung« (An- onym: Das Ergebnis des 15,000.000-Preisausschreibens der Dolus-Schuh- cremefabrik. In: Volksfreund. Unabhängiges Wochenblatt für alle Stände [Hallein], Jg. 35, Nr. 45, 8.11.1924, S. 4).
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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