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Anton Kuh - Biographie
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181 der Mann.‹ Unsere Anhänger werden nach diesem Grundsatze in Hin- kunft zu handeln wissen.«114 Die »Deutsche Arbeiter-Presse« ist auch in der Causa Bettauer kate- gorisch: Sollte von seiten des Gesetzgebers und der Behörden nicht »energisch Wandel geschaffen« werden: »Wir stehen auf unserem Posten und werden dem gesamten Judentum und seinen Helfershelfern zum Trotz rücksichtslos eintreten für das, was unserem Volke frommt und was zu dessen Erneuerung, zu dessen Wiederauferstehen aus Sumpf und Morast, aus Schmach und Schande notwendig ist.« Und in Rich- tung »Stunde«, die gefordert hatte, die NSDAP zu verbieten  – Roth- stock war oder ist Partei-Mitglied und verkehrt in NS-Kreisen –: »Die Redaktion der ›Stunde‹ soll schauen, daß sie nicht ›aufgelöst‹ wird, wenn sie es allzu bunt treibt.«115 »Die Stunde«, die für Bettauer als eines der ganz wenigen Wiener Blätter im Herbst 1924 in einem aufsehenerregenden Pornographie- Prozeß, der gegen ihn angestrengt worden war, Partei ergriffen hat und ihm auch als Autor Platz auf ihren Seiten einräumte, steht nach dessen Ermordung im März 1925 mit ihrer uneingeschränkten Verurteilung des Mordes allein auf weiter Flur,116 selbst jene Blätter, die sich »liberal« geben, zeigen Verständnis für den Attentäter. Selbst seine Wiener Kollegen stehen Bettauer reserviert gegenüber. Man rümpft die Nase über seine »Karnickel-Produktivität«117, über das Übermaß an «›Gartenlaube‹-Wasser«, das er in seinen »Sexualaufklä- rungswein«118 gießt: »Psychoanalyse für Dienstboten«, spottet man. Mag sein, so Anton Kuh, der indessen Bettauer hoch anrechnet, daß der, völlig uneitel und ohne nach »Niveau« zu schielen, »demokratische, soziale, sexualaufklärerische Erkenntnisse«  – zu Themen wie »Dienst- botenschindung; die vernachlässigte Gattin; das verführte Bureau- fräulein; darf man Kinder abtreiben?; Geld und Liebe usw.«119  – un- ter  Stenotypistinnen und Friseusen trug: »Unterhaltungsbelletristik mit  negativem Vorzeichen; Anti-Courths-Mahler-Gesinnung in der Courths-Mahler-Sprache«120. »Er leuchtete mit einer revolutionären Zwei-Groschen-Psychologie  – die gleichwohl viel mehr wert war!  – in die dumpfen Heim-Kümmerlichkeiten, sprach das Ungesprochenste aus, ermunterte den zermürbten Anspruch auf Duft und Sinnenglück, der in den armen Frauen und Mädchen nagt, und setzte ihnen den Keim zur revolutionären Forderung nach Glück in die Brust, die vieltausend- mal wichtiger ist als alle sozialistischen Forderungen nach Brot. (Sinte- malen aber die beiden Wünsche unzertrennlich sind, so hätte sich Bettauer bei den dogmatischen Nichtsriskierern immerhin ein Denk- mal verdient.)«121
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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