Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Anton Kuh - Biographie
Seite - 188 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 188 - in Anton Kuh - Biographie

Bild der Seite - 188 -

Bild der Seite - 188 - in Anton Kuh - Biographie

Text der Seite - 188 -

188 listet. Er kündigt zwar an, entlastendes Material vorzulegen, bleibt Beweise für seine Unbescholtenheit jedoch schuldig. Die gerichtliche Auseinandersetzung mit Stolper und Federn endet im Januar 1924 ohne Urteilsspruch. Békessy nötigt seine Gegenkläger zu einem außergericht- lichen Vergleich  – durch die Drohung, andernfalls einen Stolper kom- promittierenden Privatbrief zu veröffentlichen. Die Stolper-Federn-Affäre kann Békessy, der gute Kontakte zu füh- renden Sozialdemokraten unterhält  – was ihm im Juli 1923, auf dem Höhepunkt der Affäre, gegen alle Bedenken zur Wiener Landesbürger- schaft und damit zum Heimatrecht in Wien verhilft  –, noch mit einem Achselzucken abtun. Er begeht allerdings in seiner machtbewußten Vermessenheit den verhängnisvollen Fehler, einen zäheren Widersacher aufzustören: Karl Kraus. In einem »Börse«-Artikel vom 29. Oktober 1923 beschwört er die Worte des Herzogs von Wien in Shakespeares »Maß für Maß«, die Kraus zwanzig Jahre zuvor seinem Pamphlet »Sittlichkeit und Criminalität« als Motto vorangestellt hat,5 und ver- gleicht sein Vorgehen gegen österreichische Mißstände mit jenem des »Fackel«-Herausgebers.6 Zwar gemahnt die gesellschaftspolitische Blattlinie der »Stunde«, zwar gemahnen Brandartikel gegen die schikanöse Behandlung von Prostitu- ierten durch die Wiener Polizei, gegen puritanische Pseudo- und Dop- pelmoral, gegen eine das »gesunde Volksempfinden« exekutierende Justiz an die Pionierarbeiten Kraus’ zu den Themenkreisen »Sittlichkeit und Kriminalität«7 und »Die chinesische Mauer«; daß Békessy indes versucht, sich mit Kraus gemein zu machen  – er schickt, offenbar in der Annahme, daß der Adressat ihn als Kampfgefährten anerkennen werde, Kraus ein Exemplar dieser Nummer der »Börse«  –, ist dann doch ein zu starkes Stück, als daß der »Fackel«-Herausgeber es sich nicht katego- risch verbittet. Ein halbes Jahr lang hat Kraus dem Treiben  – dem Revolverjourna- lismus und dem Hang der »Stunde« zu sensationalistisch aufgemachten Klatschgeschichten; dazu verkommt die »Menschendarstellung«, der »Die Stunde« großes Augenmerk zuzuwenden ankündigt, um »dem Wiener zum Bewußtsein [zu] bringen, wie reich die Stadt an Talenten und Originalen ist«,8 rasch  – zugesehen, bevor er im Oktober 1923 unter dem Titel »Metaphysik der Haifische« angewidert die neureichen Inflationsgewinnler aufs Korn nimmt, die von der »Stunde« als Ab- schluß der dreißigteiligen Artikelserie »Wie wird man reich? Die Geschichte der Wiener Milliardäre« als altruistische Wohltäter der Menschheit gefeiert worden sind.9 Er empört sich über die huldvollen Porträts jener zwei Inflationsnabobs, die das jüngste Kapitel der »Natur-
zurück zum  Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Anton Kuh