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Anton Kuh - Biographie
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190 Schicksal des zerfleischten Knaben tatsächlich mit dem Fall Castiglioni verknüpft ward. […] Welche kosmische Phantasie war imstande, in dem bleichen Gesicht des zerfleischten Kindes die Züge des Herrn Castiglioni zu entdecken!«14 »Die Stunde« reagiert am 30. Januar 1925 mit der anonymen Notiz »Ein Bruderzwist im Hause Karl Kraus«, die von einem Erbschafts- konflikt unter den Kraus-Brüdern wissen will und den angeblich unter den »Kai-Kaufleuten« kursierenden Witz kolportiert: »Rudolf Kraus, der die Säcke erzeugt, ist der Sackel-Kraus, Kommerzialrat Josef Kraus (Packpapier) der Packel-Kraus, ein dritter Bruder, Doktor Alfred Kraus (wegen seiner äußeren Statur) der Lackel-Kraus. Auf sie alle fällt jetzt der Zorn des ›Fackel‹-Kraus.«15 Hintergrund ist die aufgrund der Wäh- rungsumstellung in Österreich notwendig gewordene Neufestsetzung von Karl Kraus’ Leibrente aus dem Papier-Unternehmen der Familie. Sie wurde per Gerichtsbeschluß vom 27. März 1925  – außerstreitig und im Einvernehmen mit seinen Brüdern  – auf 400 Schilling festgesetzt (statt der bisherigen 1000 Kronen). Mit einer Berichtigung der Falschmeldung, die »Die Stunde« am 1. Feber bringt, hat es diesmal nicht sein Bewenden. Kraus baut eine mächtigere Drohkulisse auf: Am 25. Feber 1925 trägt er im Konzert- haus aus Ferdinand Lassalles Rede »Die Feste, die Presse und der Frankfurter Abgeordnetentag. Drei Symptome des öffentlichen Gei- stes« (1863) vor, darin die mehrfach wiederholte Wendung »von Stund’ an«, etwa in den Passagen »Von Stund’ an wurde eine Zeitung eine äußerst lukrative Spekulation für einen kapital-begabten oder auch für einen kapital-hungrigen Verleger« oder »Von Stund’ an wurden also die Zeitungen nicht nur zu einem ganz gemeinen, ordinären Geld- geschäfte, wie jedes andre auch, sondern zu einem viel schlimmern, zu einem durch und durch heuchlerischen Geschäfte, welches unter dem Scheine des Kampfes für große Ideen und für das Wohl des Volks be- trieben wird«16. Vier Tage zuvor hat er, dem die lauthals affichierte Urbanität des Békessy-Blattes nur der Deckmantel eines »prinzipielle[n] Falloten- tum[s]« ist,17 im Festsaal des Ingenieur- und Architektenvereins »Die Kraniche des Ibykus« rezitiert, Schillers Ballade über Schuld und Ver- geltung, die im Vers »Die Szene wird zum Tribunal« kulminiert: der Auftakt seiner Kampagne gegen die »tägliche Inzucht von Börse und Bordell«, die »Kollusion von Mord, Sport und Kreuzwort«, das »illu- strierte Zuhältertum der niedrigsten Instinkte«.18 Kraus ist an einer empfindlichen Stelle getroffen. Er nimmt die Be- richterstattung der »Stunde« in zwei Angelegenheiten zum Anlaß, seiner
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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