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Anton Kuh - Biographie
Seite - 192 -
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192 Bild ist ein neues beigestellt, den Lesern wird in einem redaktionellen Text anheimgestellt, ein Schönheitsurteil abzugeben. Das angeblich korrigierte Bild ist erneut entstellt. Das Spiel wiederholt sich mit Varia- tionen bis in den Oktober hinein.29 »Die Stunde« wirft mit Dreck: Ihre Niederträchtigkeiten reichen von weiteren manipulierten Bildern30 über ein Visitenkartenrätsel »R.R. Laus-Kak«, begleitet von einer abstoßenden Karikatur Kraus’,31 den Wiederabdruck der Alfred Kerrschen »Caprichos«, Schmähungen aus dem »Pan«,32 einen faksimilierten Brief Peter Altenbergs, in dem dieser aus jener »heimtückisch-feigen Schar« seiner vorgeblichen Freunde und Verehrer, die ihm übel mitgespielt hätten, ausgerechnet Kraus hervor- hebt,33 bis zu infamen Auslassungen wie: »Karl Kraus war schon in seiner frühesten Jugend ein ausgesprochen mieser Bocher. Er hatte einen Mund, der schier von einem Ohr zum anderen reichte, eine auffallend häßliche Nase und abnormal große Plattfüße«34 oder »Wer Herrn Karl Kraus zum Beispiel in seinem Stammcafé mit geil überfließendem Mund und verkrümmtem Rücken wie einen Baumaffen des Sarkasmus seinen Jüngeln und Jüngern die Druckfahnen der nächsten Nummer seiner Zeitschrift vorlesen gesehen hat  …«35. Selbst wenn man berücksichtigt, daß in der Tagespresse damals ein eher rüder Ton herrscht, und in Rechnung stellt, daß auch Kraus bei der Bezeichnung seiner Gegner  – »Schleimrüssel«36, »Ungeziefer«37, »Wan- zen brut«38  – nicht zimperlich ist, markieren die allermeist anonymen Schmähungen Kraus’ in der »Stunde« einen Tiefpunkt publizistischer Fehde. Am 25. Juni 1925 hält Kraus im Mittleren Konzerthaussaal seinen Vortrag »Entlarvt durch Békessy«, in dem er den Fall Stolper-Federn wieder aufrollt, die Kampagnen der »Stunde« minutiös sarkastisch kom- mentiert und die Kampfparole lanciert, die zum geflügelten Wort wer- den sollte: »Hinaus aus Wien mit dem Schuft!«39 Auf einige Passagen von Kraus’ Vortrag bezieht sich Kuhs Text »Kraus, der Nachtigallenfreund«. Die Vorgeschichte: »Die Stunde« hat am 24. Mai auf der ersten Seite ein Bild von Kraus’ Auto mit folgendem Begleittext gebracht: »Es wird unsere Leser interessieren, wie das neue Privatauto des großen Satirikers (Fabrikat Nesselsdorf, Marke Tatra) aussieht, der seinen Bannstrahl gegen diese im Auto am Elend vorbei- fahrende Zeit geworfen hat.« Das Auto, ein Kleinwagen, war perspek- tivisch so verzerrt aufgenommen worden, daß es die Anmutung einer Luxuslimousine erhalten hatte. Kraus hat diese »Enthüllung« mit souveräner, leichter Ironie pariert, in einem Text, gespickt mit Seitenhieben auf die Unterstellungen und
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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