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dem Kraus
– ohne namentlich genannt zu werden
– als »Vortragsaffe«
bezeichnet wird. Kraus geht gerichtlich gegen Kuh und den verant-
wortlichen Schriftleiter, Fritz Kaufmann, vor.
Kraus will Békessy und seine »Büttel« vor Gericht bringen, bringt
sie aber lange Zeit nur vor das Tribunal seines Vorlesungspublikums
und der »Fackel«-Leser. Békessy hat es verstanden, sich die Sozial-
demokratische Partei zu verpflichten. Im Sommer 1923 hat er sie mit
Informationen über Insider-Geschäfte versorgt, die es ermöglichten,
gegen den christlichsozialen Finanzminister eine Kampagne zu lancie-
ren.43 Darüber hinaus ist Sigmund Bosel, Békessys Kompagnon, als die
parteieigenen Hammerbrotwerke in finanzielle Turbulenzen geraten
waren, eingesprungen – unter der Bedingung, daß die Partei Friedrich
Austerlitz, den Chefredakteur der »Arbeiter-Zeitung«, zurückpfeife,
was die Parteileitung auch machte.
Im Frühjahr 1926 kann Békessy sich wieder ziemlich sicher fühlen. Er
hat den Polizeipräsidenten Johann Schober, den auch Kraus um Hilfe
angegangen ist, für sich gewonnen; er hat gerichtliche Untersuchungen,
die gegen ihn laufen, durch zahlreiche Finten und Ablenkungsmanöver
verzögert, behindert, ins Leere laufen lassen. Nicht einmal die Enthül-
lungen des entlassenen »Stunde«-Redakteurs Ernst Spitz über die er-
presserische Békessy-»Kaffeehaussteuer«44 im Feber 1926 können ihm
etwas anhaben.
Erst ein verhängnisvoller Fehler im Juni 1926 bringt wieder Bewegung
in die Sache, die nun eine Dynamik annimmt, die Békessy entgleitet.
Als Harry Weller-O’Brien, leitender Angestellter im Administrations-
büro der Kronos-Verlags, Ende Juni 1926 unter dem Vorwurf der Er-
pressung im Zusammenhang mit dem Krach der Nordisch-Österreichi-
schen Bank verhaftet wird, macht die »Stunde« einen fatalen Mißgriff.
Weil sie fürchtet, daß Austerlitz den Burgfrieden beenden werde, ver-
fällt sie wieder in ihre »bewährte« Taktik, den Gegner mit einem Schlag
unter die Gürtellinie außer Gefecht zu setzen. Am 29. Juni bringt sie eine
Notiz über einen älteren Herrn mit Brille, der dabei gesehen worden
sei, wie er in den Straßen Wiens kleinen Mädchen nachstellte.45 Sein
Name werde geheimgehalten, weil es sich um eine politische Persön-
lichkeit handle. Am 3. Juli wird in einem Folgeartikel damit gedroht,
die Anonymität zu lüften.46 Für Leser, die mit den Anspielungen
der »Stunde« vertraut sind, kann ohnehin kein Zweifel darüber beste-
hen, wer gemeint ist. Austerlitz, an dessen persönlicher Integrität und
Unbescholtenheit allerdings kein Zweifel bestehen kann, ist in der
»Stunde« wiederholt in denselben abfälligen Bezeichnungen unter-
gebuttert worden.
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien