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Anton Kuh - Biographie
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199 Geistes setzt, fliegen ihm Handgranaten der Zwischenrufer entgegen. Immer wieder. Anton Kuh pariert sie geschickt, wirft sie blitzschnell zurück, so daß sie den Angreifer in Lächerlichkeit zerreißen.« Ganz so leichtes Spiel hat Kuh indessen nicht: Als er um 19.40 Uhr das Podium betritt, wird er von stürmischem Applaus empfangen. Er hat kaum Platz genommen, da werden vorn im Parterre »Hoch Karl Kraus!«-Rufe laut, in die, wie auf Verabredung, von verschiedenen Seiten des Parketts und auch von der Galerie brüllend im Chor eingestimmt wird. Kuhs erste Worte gehen im Lärm unter. Schreiend und mit den Füßen stampfend, versuchen die unter den 900 Anwesenden zahlreichen Kraus-Anhänger Kuh am Sprechen zu hindern. Minutenlange Tumulte und Handgreiflichkeiten zwischen den Krakeelern und Anhängern Kuhs, bis eine Abteilung Sicherheitswache in den Saal dringt, zwei der Randalierer hinausbefördert und notdürftig wieder Ruhe herstellt. Als es Kuh nicht gelingt, sich im tosenden Beifall und gegen die stürmischen Zwischenrufe Gehör zur verschaffen, stellt er fest: »Ich sehe leider: ob Hitler, ob Karl Kraus  – es ist dasselbe.«* Wieder minuten- lang ohrenbetäubendes Geschrei und Geheul, wieder Tumulte, wieder Einschreiten der Sicherheitswache. Von insgesamt sieben Verhaftungen wissen Zeitungsberichte übereinstimmend, der Polizeipräsident hält in seinem Notizkalender acht vorübergehende Festnahmen fest.9 Begeistertes Händeklatschen wie empörte »Pfui!«-Rufe branden an- fangs immer wieder auf und unterbrechen den Vortragenden in seinen Ausführungen, der sich keine bessere Bestätigung für das, was er an diesem Abend beweisen will, vorstellen kann als diesen von der »toll gewordenen Judobubeska«10 inszenierten Radau: eindeutiges und un- leugbares Symptom jener Wiener Epidemie, die Kuh mit dem Terminus »Itzig-Seuche« belegt, eine seiner zahlreichen Wortprägungen, die die Gemüter immer wieder bis zur Raserei erregen. In einer milderen Ausprägung, als er sie hier im Mittleren Konzert- haussaal im »hysterisch-monomanen« Stadium agnoszieren muß, sei ihm dieser Infekt in den vergangenen Tagen des öfteren begegnet: bei Leuten, die ihn beschworen, doch abzulassen von seinem gottesläster- lichen Vorhaben, öffentlich gegen Kraus vom Leder zu ziehen. Einreden, über die sich Kuh nur wundern konnte  – war denn nicht das »ganze Lebenswerk« des Unantastbaren nichts anderes als »eine Kette ununter- brochener Polemiken«? Andere wieder, Wohlmeinende, »glänzend ge- schult in der Talmud-Thora-Schule der Anspielung, ›Fackel‹ genannt«, * Kuh identifiziert damit keineswegs Kraus mit Hitler, er setzt hier bloß das Verhalten der jeweiligen Anhänger gleich: Er zielt auf den Krakeel.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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