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Anton Kuh - Biographie
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202 Das »Talent zur Schauspielerei« habe sich allerdings »an gewissen körperlichen Dingen gebrochen«, die bei Kraus »auch wesentlich psy- chologisch mitspielen und durch die es ihm genau so wie Alexander Strakosch, der bekanntlich klein und verwachsen, aber ein grandioser Rezitator war, unmöglich wurde, Schauspieler zu werden, obwohl die Mischpoche ihm wahrscheinlich gesagt hat: Karl, eine Stimm’ hast du wie der Kainz.« Heiterkeit im Publikum  – die sich Kuh verbittet. Er wahrt die Grenzen des Anstands, läßt sich nicht dazu hinreißen, Kraus wegen dessen Rückgratverkrümmung zu verhöhnen, er erwähnt sie bloß, weil er ihr für Kraus’ psychische Disponiertheit Bedeutung zumißt. Mit dem Terminus »advokatorisches Gehirn« benennt Kuh die Eigen- art Kraus’, alles bis ins letzte Detail beweisen zu wollen und mögliche Einwände gleich antizipatorisch abzuschmettern; kurz: das »fabelhafte dialektische Talent zum Rechthaben«, »dieses geradezu Winkeladvoka- torische, in den Tatbestand eines Beistrichs Versessene«. Kuh: »Ich kann mir bei der Größe dieses Talents sogar vorstellen, daß, wenn man mit dem zehnjährigen Kraus eine Debatte hatte: Wem gehört die Feder? Mir oder dir?, man nach zwei Stunden ohnmächtig mit den Worten zurück- sank: Ja, dir gehört die Feder!« Im Spott schwingt unüberhörbar An- erkennung mit. Anerkennung, die Kuh Kraus auch unumwunden zollt: »Das war die große ernste Qualität des Karl Kraus, die ihn in Wien zu einer beträchtlichen journalistischen Erscheinung hätte machen können. Wenn Karl Kraus als solche Erscheinung rubriziert wäre, wenn er nichts anderes wäre, so würde ich ihn unbedingt anerkennen, wie ich es in diesem Umkreis, in diesem Bezirke, in diesem Ausmaß auch tue.« Was diese Begabungen nun so durchschlagen habe lassen, sei die böhmische Herkunft, die Kraus in Wien, in der »verschlampten und verschleimten« Wiener »Kulturatmosphäre«, nie restlos heimisch habe werden lassen, das »sozusagen Pragerische in ihm«, die »kalte abwei- sende Gedankenschärfe«: »Seine bösen  – hier im guten Sinn ›bösen‹  – Fremdlingsaugen, sein wunderbarer Geruchssinn des Menschen, der mit dieser Atmosphäre teils verwandt, teils ihr gerade entgegengesetzt ist, befähigten ihn, der psychologische Ankläger zu sein, der Angreifer mit der Schauspielerei und der Kenntnis des angegriffenen Objektes.« Kuh rechnet ihm diese Fähigkeit als »ästhetischlokales Verdienst« an. Und was Kraus zum Idol seiner Anhänger mache, sei die »Grenz- erscheinung«, die er darstelle. Aus demselben Milieu stammend, aber doch unvergleichlich begabter, »genauso detektivisch, genauso unsicher, genauso demaskierend, genauso auf allen Kreuz-und-quer-Pirschgängen das Jüdeln im Kosmos rings hörend, genauso geartet wie sie, gewisser-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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