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Anton Kuh - Biographie
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204 seien dieselben Anhänger beglückt, die ihren »Anspielungsgott« be- jubeln, wenn dieser »mit unerhörtem Pathos sagt: ›Ein Schriftsteller, der sich nicht entblödet, auf sexuelle Angelegenheiten an zuspie len‹«  … Keinem Anhänger mit den »dankbaren Schnuppernasen« falle dabei auf, »daß man mit ein und derselben Dialektik ›eso‹ machen kann und ›eso‹«. Sittlichkeit? Ethos? Kuh fragt nicht nur danach, sondern auch nach der »politischen, aktuellen Wirkung, nach der Nützlichkeitswirkung«  – und kommt zu dem Schluß, daß Karl Kraus’ »Verdienst« vornehmlich darin bestehe, den »Zeittinnef«, der sich ohnehin selbst »paralysiere« und nicht an die Nachwelt komme, rasch vor seiner Zersetzung über- lebensgroß aufzubauschen und anschließend zu »erledigen«. Das auf- geblasene Ethos, die Rechthaberei vom »empörungslodernden Posta- ment« herab, »die zum ›Wahrlich, ich sage euch!«‹ ansteige, schrumpfe damit zur rein »phonetischen, klangökonomischen Angelegenheit«  – »Ethospetetos« eben  –, eine eitle Virtuosität, für die Kuh die Formulie- rung »Geburt des Ethos aus dem Geist des Ases« prägt. Noch mit dem dramatischen Schlußpunkt seiner Rede, einer Lesung des Kapitels »Vom Vorübergehen« aus »Also sprach Zarathustra«, verhöhnt Anton Kuh Karl Kraus als jenen manisch »Antwortenden«, als den er ihn hingestellt hat. Einige abfällige Bemerkungen Kraus’ über Nietzsche zu dessen 25. Todestag seien nämlich auch bloß Reaktionen auf eine Vision Nietzsches: »Kraus mit seinem ›Fackel‹-Deutsch! Wie er leibt, ohne zu leben!« Das Auditorium muß den im Text auftretenden »schäumenden Narren«, den das Volk den »Affen Zarathustras« nennt, mit Kraus identifizieren, nicht nur, weil Kuh dessen Part mit täuschend nachgeahmter Stimme spricht. Daß es Kraus nicht werde lassen können, auf die Nietzsche-Stelle zu antworten, steht für Kuh fest, er hingegen wünscht sich am Ende seiner zweieinhalbstündigen Rede  – im letzten Drittel sind nur mehr vereinzelt Zwischenrufe zu vernehmen, dröhnender Beifall, Heiterkeit, Hände- klatschen dominieren  – ein biblisches Wort, »das es leider nicht gibt und das da lauten müßte: Wehe dem, der das letzte Wort hat  … Ich will es hier nicht haben und werde es nicht haben, ich will und werde mit dem schäumenden Narren nicht um die Wette laufen. Ich räume ihm hiemit das Feld, der Herr der Rede  – ›dem Diener am Wort‹!« Bemerkung »Ich komme von rückwärts gegen ihn, da kenn ich mich aus!« in »Literatur oder Man wird doch da sehn« auf Kuhs Homosexualität an- gespielt.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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