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Anton Kuh - Biographie
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205 Am Schluß donnernder Applaus, in den sich nicht der leiseste Miß- fallenston mischt. Kuh sollte tatsächlich nicht das letzte Wort haben  – Kraus klagt.* Kraus geht nicht nur gerichtlich vor, er antwortet am 14. November mit dem Vortrag »Vor 900 Zeugen« in ebenjenem Mittleren Konzert- haussaal. Darin fallen  – ohne daß dieser namentlich genannt würde  – jene Bemerkungen über Kuh, die von seinen Jüngern bis zum heutigen Tag nachgeplappert werden. Er sei keiner Befassung würdig außer der von Gerichten. Abschätzig ist von »Selbstwegwurf« die Rede; vermessen von »aus dem Rahmen der Anonymität herausspringend und sich leib- lich auf mein Podium wagend«; hochfahrend von »meiner verwünsch- ten Zugkraft, die auch dann einen Saal füllen kann, wenn ich nicht auftrete«; selbstgerecht von der »Selbstauflösung einer Nichtsubstanz, die auf mich abwälzt, was sie an sich selbst unerträglich fühlt«; vom »Unzulängliche[n], das den Platz des Karl Kraus bereits besetzt findet und durch die Chance dieses Pechs zum Ereignis werden möchte«.12 Nicht nur die »Krausianer«, für die jedes Wort des Meisters aus dem Dornbusch gesprochen und also geoffenbarte Wahrheit ist, beten die Invektiven ungeprüft nach, sondern bis heute auch  – mit wenigen Ausnahmen  – gestandene Karl-Kraus-Philologen, weil sie »seine Stil-, seine Selbstdeutungsgrenzen nicht verlassen«, wie Kuh am 25. Oktober 1925, als hätte er’s vorausgewußt, feststellte, anders gesagt, weil sie immer nur den Meister reproduzierend exegieren, alles andere gälte als Abfall von der reinen Lehre. Kuh gehöre zu den wenigen, mit denen sich Karl Kraus in der »Fackel« nicht abgegeben habe  – nach der hoch- fahrenden Maxime »Größerer Gegner gesucht«; auf Kuhs Angriffe habe Kraus nie anders reagiert denn durch gerichtliche Klagen; Kuh habe es nicht verwinden können, daß der Platz Karl Kraus’ bereits besetzt war;13 Kuh wäre gern dieselbe »Instanz« gewesen wie Kraus.14 Man empört sich, daß Kuh ausgerechnet »in demselben Konzertsaal, in welchem Kraus vorlas«, diesen als »Affen Zarathustras« verhöhnte15  – als sei’s eine Tempelschändung und als wäre Kuh nicht ab 1921 wiederholt dort aufgetreten. Besonders empörend und unter »unerhörte Geschmack- * Neben diesem Ehrenbeleidigungsprozeß trägt der Vortrag Kuh einen Ein- trag im »Kleinen Kaffeehaus-Brehm« ein: »Die (vor)tragende Kuh (Bos Antonia) treibt sich in Konzerthaussälen aller Größen (großer, mittlerer und kleiner) herum und frißt mit Vorliebe Blättter (›Tag‹– ›Stunde‹– ›Bühne‹), aber auch Affen, welch letztere ihm Üblichkeiten bereiten« (Schnidi: Der Kleine Kaffeehaus-Brehm. In: Der Götz von Berlichingen [Wien], Jg. 4, Nr. 44, 30.10.1925, S. 3).
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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