Seite - 226 - in Anton Kuh - Biographie
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gewärtigen stand, leichter zu ertragen, malte er sie sich am Tag der
Premiere im »Neuen Wiener Journal« schon einmal aus:
»Alfred Polgar: ›Der unsympathische Schreihals Gunn war der zu-
verlässigen Manier des Schriftstellers Anton Kuh anvertraut. Die Rolle
faßte ihn auf, wie er ihr lag; fast lauter, als gut war: doch schien
umgekehrt er für die Herausarbeitung der Penetrancen, die solchem
Publizistenschlag entströmt, ein zu diskreter Gestalter. Wie anders
der Dr. Friedell! …‹
Leopold Jacobson: ›… und Anton Kuh bekam Gelegenheit, mit den
Temperamentsüberschüssen, die sein kritisches Tun so oft verwirren,
eine Kritikerfigur zu füllen. Die Probe gelang nur halb: Kuh gab sich
gerade hier verständlich!‹
Raoul Auernheimer: ›Einen Vertreter jener Generation, die sich um
soviel lieber in den Bocksprüngen der Verneinung gefällt, als ihre
Seele – wie ein schönes Franzosenwort sagt – »le talent d’être bas«
(»das Talent, leise zu sein«) verlernt hat, umkleidete Herr Kuh mit
dem Rankwerk schillernder Unziemlichkeiten.‹
Hans Liebstöckl: ›… meinem Kollegen Anton Kuh aber möchte ich
gleich dem Fuchs in der Anekdote, der dem zerschundenen, aus allen
Wunden blutenden Wolf die Lehre gibt: »Wenn du ä Fresser bist, was
singste?« zurufen: »Wenn du schreiben kannst
– was spielste?
…«‹
Felix Salten: ›Und so schlossen sich die Leistungen der Damen
Darvas, Geßner, Terwin, Woiwode und der Herren Daghofer, Dir-
moser, Friedell, Goetz, Rainer, Romberg und Thimig zu einem wohl-
gelungenen Abend.‹«6
Am 16. September 1926 debütiert Anton Kuh in George Bernard
Shaws Komödie »Fannys erstes Stück«. Das allerdings erst, nachdem das
Theater in der Josefstadt den Einspruch des Bühnenvereins gegen das
Laien-»Gastspiel« Kuhs
– es gebe schließlich genug arbeitslose Berufs-
schauspieler – elegant gekontert hatte: Kuh erhielt ein ganzjähriges
Engagement
– als Eleve! Kuh gibt
– neben Lili Darvas, Adrienne Geß-
ner, Johanna Terwin-Moissi, Lina Woiwode, Fritz Daghofer, Herbert
Dirmoser, Egon Friedell, Carl Goetz, Hans Moser, Louis Rainer, Her-
mann Romberg sowie Hugo und Hans Thimig – den Kritiker Gunn,
einen »intellektuellen Frechling«7. Emil Geyer, der in Abwesenheit
Max Reinhardts die Geschäfte und auch Regie führt, hat Kuh engagiert,
weil er es publicityträchtig darauf anlegt, »die Naturechtheit der Figur«
auf die Spitze zu treiben.8 Offenbar um das leicht angejahrte Stück lokal-
koloristisch aufzubrezeln, besetzt Geyer nicht bloß zwei der vier Kriti-
ker, mit denen Shaw in der Rahmenhandlung Gerichtstag über die
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien