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Kunstrichter hält, mit Repräsentanten des Wiener Parketts, eben Kuh
und Friedell, auch die zwei anderen sind
– gespielt von Fritz Daghofer
und Louis Rainer
–, porträtähnlich nach Wiener Kritikern, Hans Lieb-
stoeckl und Leopold Jacobson, gestrickt.
Wenn Kuh befürchtet hat, die Kollegen würden ihn zerzausen, dann
täuscht er sich. Die Aufführung wie auch seine Darstellung finden allseits
Anklang. »Fannys erstes Stück« steht bis 8. März 1927 auf dem Spiel-
plan des Theaters in der Josefstadt, wird siebenunddreißigmal gegeben,
neunundzwanzigmal mit Anton Kuh in der Rolle des Kritikers Gunn.
Sowohl Jacobson als auch Liebstoeckl zollen ihm Respekt. Leicht spöt-
telnd der eine: Anton Kuh bemächtige sich »als Schauspieler mit Ambi-
tion« der Figur des überintellektuellen Kritikers, »dem die Intellektua-
lität der anderen bis in den Herzensgrund zuwider ist. Er kämpft für das
Wort Shaws, als ob er ein eigenes Bekenntnis ablegen wollte.«9 Ein biß-
chen contre cœur der andere: »Doch muß ich, so leid es mir tut, ganz
aufrichtig sagen: der neue Schauspieler Anton Kuh hat alle meine Erwar-
tungen übertroffen. Er spricht ausgezeichnet, ich wußte es schon lange;
daß er darin aber alle Berufsschauspieler übertrifft und daß es ein Fest ist,
jemanden so glänzend und temperamentvoll auf der Bühne sprechen zu
hören, das freut mich außerordentlich. Wir Kritiker sind nicht verloren:
wenn alles fehlschlägt, spielen wir Shaw. Wenn aber dereinst die Schau-
spieler so gut schreiben werden, wie Anton Kuh Theater spielt, dann,
natürlich, ist es Essig mit uns.«10 Ins Schwarze getroffen hat Kuh mit
seiner Vermutung, daß Felix Salten ihn in seiner Besprechung verkniffen
übergehen würde.11 Ebenso mit Tonfall und Gestus von Polgar und
Auernheimer – von denen allerdings keine Rezensionen vorliegen.
Getroffen fühlt sich auch Hans Liebstoeckl: Fritz Daghofer, die
Hände in die Taschen geschoben und möglichst gemütlich dreinsehend,
»um darzulegen, wie fein er mich studiert hat; er erreichte sein Ziel, mir
war wirklich mies vor mir.«12 Weniger dagegen Leopold Jacobson: »Von
Herrn Rainer, der den Kritiker Trotter, den Wortführer der Gilde, in
meiner Maske gibt, kann ich bloß feststellen, daß ich mich nicht getroffen
fühle, obwohl er mich getroffen hat. Als einmal ein Schauspieler den
großen Sokrates auf der Bühne lebensgetreu kopierte, erhob sich der
Weise lächelnd von seinem Platz, damit die Zuschauer vergleichen soll-
ten, ob ihm der Doppelgänger auch wirklich ähnlich sähe. Ich begnügte
mich, im stillen dafür dankbar zu sein, daß der Kritiker, den Herr
Rainer darstellt, Trotter heißt, Trotter mit einem r am Schluß, nicht mit
einem l.«13
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien