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Ethos und »Ethospetetos« –
Anton Kuh vs. Karl Kraus
Entschieden zu kurz greift Kuh, wenn er die Vehemenz und Hartnäckig-
keit von Kraus’ Kampagne gegen die »Stunde« auf verletzte Eitelkeit
reduziert und darauf beharrt »dass fast alle Wiener Zeitungen um nichts
moralischer und anständiger sind als die ›Stunde‹, dass die anderen Zei-
tungen möglichst Eitelkeiten schonen, während sie hier tendenziös ver-
letzt wurden
… Was da entfesselt wurde, das war nicht Antikorruptio-
nismus, es war hier der Conjunktur-Sturmlauf gegen die Unbequemen«.
Entschieden zu kurz greift er auch, wenn er es Kraus als »nicht nobel«
ankreidet, daß dieser gegen den »magyarischen Unternehmer« los-
gezogen sei, statt sich an den zu halten, von dem er wußte, daß er ihm
das eingebrockt hatte – an ihn, Kuh.
Zu kurz greift auch die Reduzierung der Polemik auf Rivalität.
Entschieden daneben greift aber auch die Unterstellung, Kuh sei als
Büttel Békessys aufgetreten. Im Gegenteil: Kuh war nicht Handlanger
Békessys, sondern Békessy hat Kuh »arglos als ›rechte Hand‹ zur Frot-
zelung des Kraus gedient«.1 Er stellt schon in seiner Rede vom 25. Ok-
tober 1925 klar, daß er den Herausgeber der »Stunde« dazu mißbraucht
habe, um an Karl Kraus sein Mütchen zu kühlen. Das trägt ihm am
5. Dezember 1925 die »Nachnominierung« als »Täter oder Mittäter« in
der Causa Karl Kraus und Marie Turnowsky gegen unbekannte Täter in
der Sache der retuschierten Photos auf dem Titelblatt der »Stunde« vom
20. März 1925 ein.* Kuh ist nur bis August 1924 Redaktionsmitglied der
»Stunde«, und er verwahrt sich dagegen, als Redakteur der »Stunde«
bezeichnet zu werden, läßt Berichte über die Prozesse, die Kraus gegen
ihn angestrengt hat, auch dahingehend berichtigen.2
Die Verbindung mit Békessy wird zu Lebzeiten von Gegnern Kuhs
unterstrichen – »Söldling des steckbrieflich gesuchten …« – und über
dessen Tod hinaus fortgesponnen: »Anton Kuh, der sich von einem
gemeinen Revolverjournalisten zum angesehenen Békessy-Mitarbeiter
* Bei der Vernehmung vor dem Strafbezirksgericht Wien I am 5. Januar 1926
räumt Kuh ein, »der Urheber des Entschlusses zu sein, mit Karl Kraus eine
Zeitungsfehde auszutragen«, stellt allerdings in Abrede, mit der Veröffent-
lichung des inkriminierten Bildes irgend etwas zu tun zu haben.
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien