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Anton Kuh - Biographie
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246 aber von der parodistischen Zuspitzung abgesehen unterschieden sich die zeitgenössischen Programmabläufe, die den Geschmack eines Mas- senpublikums mit Nachrichten, Reportagen, Sport- und Musiksendun- gen bedienen, nur unwesentlich von dieser Verulkung. Kuh läßt den Radio-Tag um 5.45 Uhr mit Zeit und Wetter beginnen, fährt um 6.30 Uhr fort mit »Gluck ›Alkestis‹, vorgetragen vom Bläserchor der Stettiner Feuerwehr / 6.55: Anschließend Schallplatten auf Schallplat- ten. / 7.30: Rhythmisches Zahnputzen. Von Geheimen Obermedizinal- rat Birke, Magdeburg. / 9.00: Schulfunk ›Was müssen wir vom Karton- papier wissen?‹ Von Studienrat Frank, Barmen.« Der Nachmittag und der Abend bringen unter anderem um 12.50 »Richtiges Stufensteigen. Von Geheimen Sanitätsrat Winkler, Schwerin«, um 17.55 Uhr fünf- undzwanzig Minuten zum Thema »Wovon lebt der Holzwurm? Von Forstrat Kutscher, Heilbronn«, um 18.50 Uhr zwanzig Minuten zu »Macbeth im Spiegel des modernen Strafrechts. Von Oberstaatsanwalt Hugo Brinkmann, Plauen« und von 21 Uhr bis 23.30 Uhr: »Straßen- bahngeräusche auf Schallplatten« (50 Minuten!), »›Der Sommer ist kommen!‹ Schallplatten-Kabarett im Grünen«, das »Viertelstündchen für den Sanskritfreund« und »Der Humor im Wandel der Zeiten. Von Strafanstaltsdirektor Otto Starkheim, Osnabrück«. Die Musik bestreiten von 9.40 bis 11.10 Uhr die »Kapelle Kálmán Deszö«, von 13.40 bis 14.00 Uhr die »Kapelle Bardos Zoltan«, von 16 bis 16.40 Uhr die »Ka- pelle Aranyi Bela« und von 18.20 bis 18.50 Uhr die »Kapelle Kovazs Sandor«. Das neue Medium nimmt Anton Kuh auch immer wieder in seinen improvisierten »Privatkabaretts« auf die Schaufel, die sich indessen, so Friedrich Torberg, ob seines unvergleichlichen Temperaments und sei- ner Pointierungskunst der Nacherzählung, und zumal der gedruckten, widersetzten: »Oder wie sollte man den überwältigenden Bierernst wiedergeben, mit dem er  – in einen reichsdeutschen Rundfunksprecher sich verwandelnd  – die ›vorläufigen Ergebnisse der heute abgehaltenen Sexualwahlen‹ verlautbarte, so trocken und sachlich, daß man sekunden- lang versucht war, Parteien wie den ›Bund homosexueller Landwirte‹ und die ›Lesbische Linke‹ für tatsächlich existent zu halten und an einen knappen Vorsprung der ›Deutschen Fortpflanzungspartei‹ vor der ›Ver- einigten Liste der Nekrophilen und Koprophagen‹ zu glauben. Nicht weniger überzeugend  – denn sein unheimliches Nachahmungstalent erstreckte sich gleichermaßen auf Einzelpersonen  – traf er das trostlose, mörderisch langweilige Leiern eines österreichischen Ansagers, der an Ort und Stelle über einen Trachtenfestzug vor dem Wiener Rathaus berichtete und seinem analphabetenhaft beschränkten Wortschatz zwar
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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