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Anton Kuh - Biographie
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247 eine mühsam hochdeutsche Färbung, aber keinerlei Belebung abzurin- gen wußte: / ›… hier kommen die wackeren Innviertler  … von ihrer Musikkapelle geführt  … in ihren schmucken weißroten Trachten  … es folgen die trefflichen Mühlviertler  … in farbenfrohes Blaugelb geklei- det  … an der Spitze ihre Musikkapelle  … nunmehr erscheinen  …‹ und so ging die Litanei weiter, mit unerbittlicher Gründlichkeit, eintönig, einschläfernd: ›… und jetzt, von ihrer Musikkapelle geleitet  … in ihrer geschmackvollen grüngestreiften Tracht  … die biederen Traunviertler‹  – aber da kam plötzlich Leben in seine Grabesstimme, schreckhaft auf- kreischendes Leben: ›Haltaus! Des san ja die Waldviertler!!‹ Und man meinte ihn leibhaftig vor sich zu sehen, den dumpfen Troglodyten, wie er erleichtert aufatmete, weil die Berichtigung des katastrophalen Irr- tums ihm noch ganz knapp geglückt war. / In jenen Jahren, da der Rundfunk populär zu werden begann, entdeckte Kuh als erster die un- freiwillig komischen Seiten des immer noch neuen Massenmediums und hielt sie in parodistischen Szenen fest. Besonders die damals in Schwang kommenden Hörspiele älplerischen Gepräges hatten es ihm angetan. Schon die Ansage des Personenverzeichnisses erbitterte ihn, weil sie dem Hörer keine Möglichkeit gab, zwischen den Rollen und ihren Darstel- lern zu unterscheiden: / ›Achtung. Hier Radio Wien. Wir bringen Ihnen jetzt »Das Nullerl«, Volksstück mit Gesangseinlagen in drei Akten. Be- setzung: Alois Schwendner  – Anton Gschweidl. Amalia Hermetslech- ner  – Eusebia Habetswallner. Karl Novak  – Franz Holetschek. Bimpfl  – Dampfl  …‹ Kuh behauptete, einmal noch während der Ansage im Rundfunk angerufen und mit dem Verzweiflungsschrei ›Wer spielt wen?!‹ um Auskunft gebeten zu haben, die ihm jedoch verweigert worden sei.«5 Ins Positive gewendet, hatte das Unbehagen, einer technisch verstärk- ten Stimme unmittelbar und wehrlos ausgesetzt zu sein, verheißen, daß durch die rasche Verbreitung der Empfangsgeräte in wenigen Jahren ein Großteil der Bevölkerung sehr schnell mit »volkserzieherischen« und »erbaulichen« Inhalten erreicht werden konnte. Das machte zu einem gut Teil die frühe Begeisterung der Aufbruchsphase aus. Dem Radio aufgeschlossen gegenüberstehende Schriftsteller und Kulturkritiker er- hofften sich zudem vom Rundfunk einen Vitalisierungsschub für die im Gefolge des Buchdrucks vermeintlich anämisch gewordene Sprache; Kulturpessimisten sahen im neuen akustischen Medium ein Gegen- gewicht zur vorgeblich »phantasielähmenden Deutlichkeit des [Film-] Bildes«.6 Mit der Gründung der einzelnen Anstalten und der Aufnahme des Sendebetriebs Ende 1923, Anfang 1924 begannen lebhafte Diskussionen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter SchĂĽbler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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