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Tonfilmdrama »A conto« –
Drehbuchautor
Mit dem vom Publikum gestürmten ersten abendfüllenden Tonspiel-
film, »The Jazz Singer«, im Oktober 1927 in den USA uraufgeführt, war
die dreißig Jahre währende Ära des Stummfilms besiegelt. Das neue
Medium setzte sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa –
hier erst nach der Beilegung von Patent- und Lizenzstreitigkeiten mit der
amerikanischen Konkurrenz – rasch durch. Nicht zur ungeteilten
Freude von Publikum und – vor allem – Fachleuten. Der »sprechende
Film« verhieß ein Höchstmaß an »Natürlichkeit« und ließ den stummen
Film plötzlich als »Mängelwesen« erscheinen. Enttäuschung und Skep-
sis, ja Entsetzen bestimmten indessen den Grundton führender Film-
ästhetiker, die fürchteten, daß damit das Medium Film künstlerisch um
Jahre zurückgeworfen werde. Als Katastrophe, die über eine eben erst
zur Blüte gekommene Kunst hereingebrochen war, empfand etwa der
Filmkritiker und -theoretiker Béla Balázs 1930 den »sprechenden Film«:
»Der stumme Film war auf dem Wege, eine psychologische Differen-
ziertheit, eine geistige Gestaltungskraft zu erreichen, die kaum je eine
andere Kunst gehabt hat.«1 Mit der Formel »Stumme Schönheit und tö-
nender Unfug« stellte Rudolf Arnheim das neue dem alten Medium
pointiert gegenüber.2 Die Tonspur als neue sinnliche Erfahrung im
Kino beeindruckte ihn nicht im geringsten.
Die Kritiker der frühen Tonfilme argumentierten vor allem aus film-
künstlerischer Sicht, sahen die Gefahr, daß der Film seiner Eigengesetz-
lichkeit beraubt und, ganz auf Dialog gestellt, zum Theaterersatz degra-
diert werde. Zu Recht. Die ersten Tonfilme fielen weit hinter den
stilisierten visuellen Reichtum des stummen Films zurück, boten platte-
ste Operetten-, Revue- und Varieté-Sujets, in den Dialog- und Gesangs-
szenen blieb die Kamera in langen Einstellungen starr auf die sprechen-
den resp. singenden Personen resp. das abgefilmte Orchester gerichtet,
als wäre es der Regie darum gegangen, stolz die neue technische Errun-
genschaft als Selbstzweck auszustellen und die Synchronität von Bild
und Ton als Ereignis in Szene zu setzen.
Die im übrigen eher ein Versprechen für die Zukunft blieb. Speziell bei
Großaufnahmen, die die Mundbewegungen der Schauspieler überdeut-
lich betonten, störte die noch mangelhafte Übereinstimmung von Wort
und Bild. Die Tonwiedergabe ließ auch noch zu wünschen übrig. Ge-
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien