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Anton Kuh - Biographie
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254 räusche tönten leer und blechern, die Stimmen waren in ihrer Tonlage verfälscht und schienen nicht aus den Mündern zu kommen, sondern aus irgendeiner Ecke hinter ihnen, nicht zu den Personen gehörig, wie »hör- bare Spruchbänder«3; manche Konsonanten kamen überhaupt nicht  – es war eher die Regel als die Ausnahme, daß fünfzig Prozent des gespro- chenen Texts eines Tonfilms unverständlich blieben. Nicht von ungefähr wurde das neue Medium häufig abschätzig »Geräuschfilm« genannt. Am Ende des ersten (deutschen) Tonfilmjahrs, 1930, war der »spre- chende Film« allenfalls ein Versprechen für die Zukunft. Die »natür- liche« Bild-Ton-Einheit scheiterte nicht nur an ungenügenden Auf- nahme- und Wiedergabeapparaturen, sondern auch an der anfänglichen Ratlosigkeit der Regisseure, wie sie mit dem »tönenden Film« umgehen könnten, der ja nicht einfach stummer Film plus Ton war, sondern etwas grundsätzlich Neues. Die Reaktionen auf die Erstaufführung des »Singenden Narren« im Gloria-Palast am Kurfürstendamm am 3. Juni 1929 sind denn auch ge- spalten. So beantwortet etwa Herbert Ihering die von ihm gestellte Frage, ob der erste Tonfilm das überspannte Interesse, das ihm entgegen- gebracht worden ist, lohne, was die technische Seite betrifft, mit einem klaren Ja. Eine neue Filmform hingegen sei im »Singenden Narren« allenfalls zaghaft »vorgedeutet«, was hier unter Tonfilm firmiere, sei noch »der gute alte, stumme Film mit Zwischentexten«, bei dem nur die Musik »mechanisch mit ablaufe«. Und erst das ganze »Gefühlssacharin«: »Alle Verlogenheiten der absterbenden Kitschoperette, alle Unerträg- lichkeiten des toten Melodramas, alle Scheußlichkeiten des in die Vor- städte und Provinzkinos abgedrängten Groschenfilms, alle bekämpften und fast erledigten Schmelzsentimentalitäten der Musik drängen sich hier wieder, programmatisch anspruchsvoll, in das Zentralinteresse der Welt. […] Jetzt wird das Unmodernste, Abgetakeltste auf dem Umweg über die raffinierteste Technik wieder diskussionsreif, erlebnisnah, thea- terfähig gemacht. Die modernste Erfindung fördert den modrigsten Schund.«4 Von einem schmalzigen »Riesenschmarren« und offenbar der Geschäftstüchtigkeit der Filmindustrie geschuldeten »Orgien an Senti- mentalität« spricht auch Siegfried Kracauer, der zudem die undeutliche Wiedergabe des gesprochenen Dialogs der mit Untertitelung vorge- führten Originalfassung bemängelt. Viel nachdrücklicher als technische Unzulänglichkeiten moniert Kracauer die Unverbundenheit von Spre- cher und Dialog sowie die starre Kamera: eine »Selbstverstümmelung«, die weit hinter das vom stummen Film kinematographisch Erreichte zurückfalle und nicht einmal »photographiertes Theater«  – der Stan- dardvorwurf früher Tonfilmkritik  – sei.5
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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