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Anton Kuh - Biographie
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263 mit einer schwarzen Maske. Der Staatsanwalt glaubt ihr das nicht, sondern hält sie aufgrund von Indizien für eine Mörderin. Der Verteidi- ger bringt eine dritte Version der Ereignisse ins Spiel: Professor Bunter- bart habe, nachdem er in den Besitz von Klarissas Briefen an deren Ge- liebten gekommen ist, edelmütig Suizid verübt und einen Raubmord nur vorgetäuscht, um dem Liebesglück seiner Frau nicht im Weg zu stehen. Diese drei Versionen werden bildlich ausgeführt und rollen vor den Augen der Geschworenen ab. Und zwar keine so überzeugend, daß man zum Schluß wirklich wüßte, was sich nun tatsächlich zugetragen hat. Das Sujet an sich ist nicht sehr weit von der Schablone »Eine Frau zwischen zwei Männern« entfernt, das originelle Drehbuch und die be- achtenswerte Regie Friedrich Fehérs tragen jedoch die zehn langen Akte des Films, die durch die geschickt aufgebaute Spannung nie langweilig werden. Bis zum Schluß  – und darüber hinaus  – wird das Publikum über Schuld oder Unschuld der Angeklagten im unklaren gelassen. Sie wird zwar freigesprochen, ihr Bild wird indessen  – ein weiterer geschick- ter Kniff  – in den einander widersprechenden Zeugenaussagen gezeich- net, so daß sie bald als Unschuldige, bald als Schuldige erscheint. Dem Kinobesucher, dem  – ein weiterer Kitzel  – vor den Gerichtssaalkiebitzen im »Sensations-Prozeß«, in dem die Öffentlichkeit von der Gerichts- verhandlung ausgeschlossen wird, das Privileg zukommt, der Verhand- lung beizuwohnen, bleibt die Rekonstruktion der Zusammenhänge überlassen. Was tatsächlich in jener Nacht geschehen ist, bekommt er nicht zu sehen, nur die drei Versionen des Tathergangs. Damit ist »jeder sein eigener Sherlock Holmes«, wie es in der Besprechung der »Neuen Freien Presse« heißt.40 Der Gerichtshof fällt ein Urteil, doch die große Frage nach Schuld oder Unschuld bleibt im Zwielicht der Vermutungen unbeantwortet. Der Kinobesucher bekommt die drei Versionen tatsächlich zu sehen: Was vor Gericht verhandelt wird, ist filmisch wiedergegeben und nicht in Zwischentiteln und wird von der Regie, die sich auf ein glänzendes Schauspieler-Ensemble (Gustav Rickelt als Vorsitzender des Schwur- gerichts, Gustav Diessl als Verteidiger, Siegfried Berisch als Geschwore- ner, Georg Paeschke als Tischler) verlassen kann  – nur Magda Sonja, so die Rezensenten einhellig, vermag nicht zu überzeugen  –, bis in die kleinsten Szenen virtuos ins Bild gesetzt. Die Kamera (Carl Hassel- mann) wandert in ständiger Bewegung durch die ganze Wohnung und fängt die unheimliche Atmosphäre des Tatorts geschickt ein, läßt den Blick durch die Zimmer streifen, an zerwühlten Betten, verstreuten Kleidern und umgestürzten Stühlen vorbei  – ruft gleichsam das Inven- tar als stummen Zeugen auf  –, bis sie plötzlich am Toten hängenbleibt.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter SchĂĽbler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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