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Anton Kuh - Biographie
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269 Beim »Land des Lächelns«, uraufgeführt am 30. Oktober 1930 im Münchner Phoebus-Palast, erfindet das Drehbuch-Team überhaupt nur eine notdürftig gekleisterte Rahmenhandlung, um die für den Film gekürzte und adaptierte Lehár-Operette ungestört abspulen lassen zu können. Kurz: verfilmtes Theater, photographierte Kulisse, Unterhal- tungsware mit dem einzigen Ehrgeiz, marktgängig zu sein. Man sieht Richard Tauber immer wieder minutenlang in Großaufnahme wie auf der Bühne singen und bekommt dabei, ätzt ein Berliner Kritiker »so viel Gesangstechnik zu sehen […], daß der Genuß seines Gesanges darunter notwendig leiden muß«.56 Die Berliner Kritiken reichen denn auch von »elementarer Verfehlung«57 über »Musterbeispiel dafür, wie man Bühnenoperetten nicht vertonfilmen soll«58, bis »geistiger Banke- rott« des Tonfilms59. Ganz anders sieht dies ein Rezensent der Wiener Erstaufführung, der meint, die Hauptsache sei schließlich, daß Tauber singe. Bei der Festpremiere im Apollo-Kino  – unter Anwesenheit von Richard Tauber und Franz Lehár  – habe Taubers Singen trotz proble- matischer Tonwiedergabe immer wieder stürmischen Jubel ausgelöst: »Köstlich übrigens, wenn nach einer der berühmtesten Arien der Beifall, der im Film ertönt, sich mit dem Beifall des Kinopublikums vermengt und so lange anhält, bis die tönende Leinwand ganz nach Tauberscher Manier die Piece wiederholt.«60 Sei’s drum: Das Publikum stürmt die Kinos, der Film, wieder mit dem Prädikat »Künstlerisch« bedacht, beschert Rekord-Einspielergebnisse. Richard Tauber, dessen Tauber-Tonfilm-Gesellschaft eigens zu dem Zweck geschaffen worden war, um den Musikfilm zu entwickeln, ge- lobte auf die harsche Berliner Kritik hin zwar Besserung, verhehlte aber gleichzeitig nicht, daß es die Hauptaufgabe seiner Rollenschreiber sei, »die Notwendigkeit [s]eines Singens zu rechtfertigen«. Und gibt jenen, die sich an den minutenlangen »unästhetischen« Großaufnahmen des Tenors mit weit geöffneten Mund gestoßen hatten, pikiert zu bedenken, daß »die Kunst des Singens mit geschlossenem Mund  – und somit auch mit geschlossener Kehle  – […] im Tonfilm leider noch immer nicht genügend eingeführt« sei. Er werde sich indessen bemühen »einen Mittelweg zu finden, der es ermöglicht, dem Gesang doch das zu geben, was des Gesanges ist, ohne das Auge anzuöden«. Und gesteht unumwun- den, daß er auch zu jenen gehöre, »die der ›schöne Schein‹ glücklicher macht als der ›tiefere Sinn‹«.61 G. W. Pabst hatte 1928 auf eine Umfrage unter Filmschaffenden ge- antwortet: »Sie fragen: was soll  – muß  – besser werden? Das Publikum! Wie? Durch bessere Filme! Wie erreichen wir diese? Indem wir die Meinung aufgeben, daß das Publikum dümmer ist als wir. Die berühmte
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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