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Anton Kuh - Biographie
Seite - 278 -
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278 mern auf Aufforderung Smith’ im Chor mitgeflüstert und mitgepfiffen werden, beinah ausgelassen.  – Was Wille zum Amüsement und gepfef- ferte Eintrittspreise alles vermögen! Kuh, der den Abstecher nach Wien zu einem Stegreif-Auftritt nutzt, gibt’s ein bißchen billiger als Jack Smith. Bescheidene zwei bis acht Schilling (je nach Platz) muß man sich’s kosten lassen, um ihn über »Österreich und den Goldfüllfederkönig« zu erleben (beim »Flüster- bariton« war das Dreifache zu berappen). Ernst Winkler, ehe- mals Geschäftsmann in Schreibwaren und Füllfedern, der »Goldfüllfederkönig«, hat die Wiener Behörden in den zwan- ziger Jahren oft und oft mit abstrusen Mystifierungen  – sein Reklametrick  – an der Nase herumgeführt. Anton Kuh schreibt ihm, das Ganze auf die Spitze treibend, gar die Autorschaft am Ultimatum an Serbien zu: »die Amts- und Militärstellen konnten das Übel nicht mehr aufhalten. Und Franz Joseph soll, als man ihm das Furchtbare mitteilte, ausgerufen haben: ›Lass’ mr ihn!‹ / So hat sich Winkler (Ernst I.) mit goldener Füllfeder ins Buch der Geschichte eingetragen.«85 Im Sommer 1928 ist er mit der Inszenierung des vorge- täuschten Suizids zweier Mädchen auf der Rax wieder einmal im Gerede. Steckbrieflich gesucht, weil er seit Monaten gerichtliche Vorladungen nur mit der ehrenwörtlichen Erklärung beantwortet, keinesfalls vor Gericht erscheinen zu wollen, wird er am 10. Oktober 1928 schließlich dem Strafbezirksgericht I polizeilich vorgeführt und am 12. Oktober »wegen Übertretung des Waffenpatents« zu einer durch die Unter- suchungshaft verbüßten Arreststrafe von 48 Stunden verurteilt, von allen übrigen Anklagepunkten  – Verbreitung beunruhigender Gerüchte, Irre- führung der Behörden, Gefährdung der körperlichen Sicherheit  – frei- gesprochen, obwohl, wie der Richter festhält, objektiv ein strafbarer Tatbestand vorgelegen sei. Der Angeklagte sei aber, so die Urteils- begründung weiter, subjektiv nicht verantwortlich zu machen, weil er »geistig abnormal« sei.86 Als »Republikfeier« angekündigt, ist im Vor- trag vom Titelgeber indes keine Rede. Heimito Doderer gegenüber hatte Kuh kein Hehl daraus gemacht, daß er genausogut »Balzac und die Ostgoten« ankündigen könnte, man wisse doch in Wien nur zu gut, an welchem Thema er hier nie und nimmer vorbeikomme. Er läßt sich wieder einmal über »Wien  – Berlin« aus.87 Zurück in Berlin, nimmt Kuh sich am 9. Dezember 1928 in der »Ko- mödie« am Kurfürstendamm die »eingeführten ›Größen‹ intellektueller Meinungsmacherzunft« in einer »Der Snob von Berlin« betitelten Mati- nee zur Brust  – nicht den Snob selbst, für Kuh eine unvermeidliche Erscheinung großstädtischen Distinktionsbedürfnisses  – und stellt ge- Wien, Konzerthaus, Mittlerer Saal, 19.11.1928, 19.30 Uhr: Österreich und der Goldfüllfederkönig
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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