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Anton Kuh - Biographie
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280 ten; am Conférencier, der, statt Witzeleien gut vorzutragen, Ernsteleien scharf pointiert (und glaubt: der Gebrauch der Worte ›Europa‹ oder ›Stresemann‹ zum Wortspielzweck sei der ›politisierte Geist‹); an der Weltanschauungs-Tänzerin, deren Anmutslosigkeit seinem Stil endlich so zugänglich ist wie seinem Werben; kurz an jeglichem Ehrgeiz in jeg- licher Verkleidung! / Das Hübsche, Edle, Liebenswürdige, Natur- Geniale läßt ihn kalt. Und dann am meisten, wenn er  … zugewanderter Österreicher ist. So verlangt’s nämlich das eherne, unbeugsame Gesetz der Mimikry. / Was macht nun den Snobbismus hierzulande zu einem so unschöpferischen Circulus vitiosus? / Ich habe es einmal in dem Bei- spiel gesagt: ›Es gibt nichts Lächerlicheres, als wenn in einem Haus, wo im Parterre gerade einer unschuldig hingerichtet wird, im ersten Stock Leute heißgierig über Thomas Mann, Piscator, Strawinsky und den neuen Rhythmus debattieren.‹ / Der erste Stock: das ist das Deutsch- land des Snob; das Parterre: das ist die politische Wirklichkeit. Und diese Verbindungslosigkeit der ›ebenen Erd’‹ zum ›ersten Stock‹, dieser Irrglaube, es gäbe Werte und Wirklichkeiten jenseits der Welt, in der wir täglich essen, atmen, leben  – das ist es, wodurch der Ehrgeiz des Plebejers Selbstzweck werden und den armen Snob widerstandslos ins Schlepptau nehmen darf!«89 Der Rezensent des »Hamburger Fremdenblatts« unter dem Titel »Berlin hat eine neue Sensation«: »Was Anton Kuh 120 Minuten lang jede Minute Neues einfällt, davon machen andere 120 Bücher  – und fin- den doch aus Überlegung nicht eine der blendend sitzenden Formulie- rungen wie Kuh aus purer Improvisation. Das saust nur so vorüber. […] Kuh spricht und spricht, immer in neuer Abwechslung, definiert durch Anekdote, beweist durch Mimik. In schlagender Parodie trifft er jeden Modeton und erledigt ihn durch bloße Treffen. Aber vor allem: er ist scharmant […], und was er an amüsanten Invektiven und ohne Namens- nennung hinausjagt, ist niemals anmaßendes Richterurteil, denn er nimmt sich selbst gar nicht aus. «90 Von einer »neuen Sensation« kann 1928 längst nicht mehr die Rede sein. Aber begeistert sind wieder einmal alle Rezensenten der Haupt- stadt-Zeitungen. Einen Monat darauf frotzelt Kuh in der Urania »die Prager, d. h. eine stattliche Anzahl sogenannter Intelligenter, die un- bedingt dabei sein wollten […]. Sie lachten ihm Beifall und merkten nicht, wie sehr er sie frotzelte; das spricht aber weni- ger gegen ihre Intelligenz als für seine Gerissenheit. […] Er schimpfte […] auf die Wiener, die Monarchie und seinen über- schätzten Gegner Karl Kraus; überschätzt natürlich nur deshalb, Prag, Urania, Großer Saal, 14.1.1929, 20 Uhr: Wien – Prag – Berlin. Heiterer Abend
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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