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Anton Kuh - Biographie
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281 weil er sein, Anton Kuhs, Gegner ist.« Seinem treuen Prager Publikum streut er süffisant witzelnd stachelige Rosen: Der Saal sei immer dann ausverkauft, »wenn entweder vom Jud oder etwas Nackigem die Rede ist«.91 Selbst wenn ein Vortrag unter dem Titel »Anton Kuh liest Zeitung« angekündigt ist und spezifiziert wird, Kuh werde dem Publikum aktuelle Zeitungsberichte mit Randbemerkungen vorlesen, dann hat der zwar ein paar Zeitungen auf dem Vortragstisch liegen, er liest auch ein wenig darin, aber ganz zwischendurch, um dann sogleich das angerissene Hauptthema, die »Schlacht um Krausterlitz«, also »eine Art Auseinan- dersetzung mit Karl Kraus und Fritz Austerlitz, die so lange Schulter an Schulter geschimpft haben, bis sie im Kampf um die Vorherrschaft im Reiche der Insulten sich als erbitterte Feinde gegenüberzutreten began- nen«, auf ein Nebengeleise zu schieben, »und auf einmal wurde aus einer halb politischen, halb literaturcaféatmosphäreerfüllten Stichelei eine von Witz und nicht gewöhnlicher Tiefe des Erkennens sprühende Kritik der Zeit, ihrer Gesichter und ihres geistig-künstlerischen Niveaus, mit besonderer Berücksichtigung österreichischer ›Belange‹ und deutscher Mischung von Humanismus und Materialismus, von Novalis-Mystik und ›Metropolis‹-Geschäft, von Romantik- und Betonseele«92. So kommt Kuh von den Wiener Pressequisquilien und den heiklen Wiener Befindlichkeiten auf das Antlitz der Zeit zu sprechen und dessen Analyse, die »Ponemologie«, wie er sie in ironischer Vermischung von Wissenschaft und Jargon nennt; auf den »Rest, den die Flut liberaler Mediokrität, die in dieser Zeit alles umspült, noch nicht aus dem Hirn gewaschen hat«. So zeigt er »an der Hand des Erfolges gewisser jenseits des Donaukanals geborener Geschäfteriecher, wie sie es durch richtiges Erkennen der Wandlung deutschen Wesens in Berlin ›zu etwas gebracht haben‹: sie verstanden es, ihr Ohr an die Sehnsucht der deutschen Mittelschicht zu legen, deren Majorität bestimmend sei, die Synthese von ›deutschem Gemüt‹ und ›deutscher Brücke‹, zwischen Novalis und A. E. G., herzustellen, das Herz von Heidelberg mit 50 %iger Nacktheit des weiblichen Körpers zu mischen und in einer neuen Gartenlauben- erotik den Schnittpunkt zweier deutscher Wesensordinate zu finden«. So thematisiert er die Besetzungen hervorragender Stellen des Wiener Kunstlebens  – etwa die Berufung Clemens Krauss’ zum Musikdirektor der Wiener Staatsoper  –, die die Eroberung Wiens durch Graz deutlichst dokumentieren; Bruno Walter, den der »Bundesverantwortungsgeist« nur deshalb ablehne, »weil seine Bartkotelletelosigkeit wahrscheinlich doch allzudeutlich die Rasse verrate«; Berlin, an das er sein Herz ver- Wien, Konzerthaus, Mittlerer Saal, 18.1.1929, 19.30 Uhr: Anton Kuh liest Zeitung (mit entsprechenden Randbemerkungen)
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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