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Anton Kuh - Biographie
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286 betrachtet.102 Er kritisiert die Ansprüche gewisser Kino-, Rundfunk-, Presse-, Theater- und anderer Prominenten von rechts und links auf »geistigen« Nimbus in Grund und Boden, wettert gegen die Pleite jener »Geistigen«, »die ihre traurigen Geschäfte unter das Schlagwort ›Kultur‹ stellen. Hier ist der Geist nicht mehr der ›Atem der Wirklichkeit‹ (wie Kuh sagt), sondern ein Wort zu Propaganda-Zwecken, Propaganda in eigener Sache, soll heißen: Person.«103 Er zieht rüstig vom Leder gegen seine ganz besondere bête noire, den umtriebigen geistigen Plebejer, die häufigste Erscheinung unter den »Geistigen« der Zeit, dem es nur um eins geht: Geltung, Prominenz; gegen die linksradikale Pose der ethischen Entrüstung, die es sich in gut- dotierten Redakteurs- oder Kommentatorposten bequem gemacht habe, von den herrschenden Mächten unschädlich nicht gemacht, sondern freiwillig ins Joch gekrochen. Das Ergebnis: »eine Pseudowirklichkeit des öffentlichen Geistes, der sich wunder wie kühn und frei dünke, weil er sich mit Fetzen realistischer Wahrheiten drapiert«.104 Wahrer Geist sei immer oppositionell und paktiere nie und nimmer. Daß er eine »Bartholomäusnacht der Intellektuellen« anregt, hindert die zahlreichen Intellektuellen im Publikum nicht, tosenden Beifall zu spenden. Um einiges weniger souverän reagiert man auf seinen Vortrag im Literaten- und Szenelokal, in dem die »Pleite des Geistes« dem Stamm- gast Kuh zufolge ihren »redseligsten und beredtesten Ausdruck findet« und das er in seinem Vortrag als »die Dreckmuschel« bezeichnet hatte, »in der der Ozean Prominenz rauscht«. Schon beim »Snob«-Vortrag war für den Rezensenten des »Blauen Hefts« klar, wohin genau Kuh zielte: »Kuh tat gewisse Literatenlokale rund um die Gedächtniskirche in Acht und Bann, aber alles, was er sagte, war natürlich, um in seiner Sprache zu sprechen: ›Du côté de chez Swan-neke.‹«105 Bei »Schwan- neke«, Rankestraße Nr. 3, verhängt man den Bann über ihn. Der Wirt, der Schauspieler Viktor Schwanneke, erteilt ihm sechs Tage nach dem Vortrag im Auftrag der Stammgäste-Clique  – ein Typus, den Kuh offen- bar treffend beschrieben hatte  – Lokalverbot. Still und geknickt trägt der sein Schicksal, »den Bann der heiligen Wirtshausfeme«, nicht ohne sich darüber zu wundern, »daß es heut- zutage zum Beruf eines Wirts gehört, nicht nur das kulinarische, son- dern auch das geistige Prestige seines Gulasch wahrzunehmen«.106 Auch Rudolf Olden wundert sich: »Einer schlichten Gaststätte wird die Ehre zuteil, öffentlich zur Heimstätte des Geistes erhoben zu wer- den  – aber ihr Inhaber weist die Ehrung weit von sich. Seine Räume genossen oft den Vorzug, als Schauplatz jener erhabenen Kleinkunst zu dienen, die Anton verschwenderisch um sich streute, wenn der Wein
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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