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Anton Kuh - Biographie
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287 ihn befeuert hatte  – aber Schwannekes Bühnenklub* will das Schauspiel nicht dulden. Anderenorts beginnt die Diktatur in der Kaserne, bei uns in der Künstlerkneipe. Wenn, o Paradox, der Geist seine Ruhe haben will, so muss er wirklich pleite sein.«107 Es dräut weiteres Ungemach. Der »Berliner Herold« lanciert unter dem Titel »Anton Kuh  – Gastronom« das Gerücht, Kuh werde nach dem über ihn verhängten Lokalverbot in Kürze »ein eigenes Intellektu- ellen-Restaurant« in der Rankestraße eröffnen, und freut sich über »einen so hochstehenden Budiker«.108 Die Scherzmeldung wird auch durch Wiener Zeitungen verbreitet, woraufhin Kuh sich genötigt sieht, Berichtigungen zu veranlassen: »fuerchte glaeubigersturm« telegraphiert er nach Wien109  – zu spät offenbar, denn sein Schreibtisch ist in den Tagen darauf überhäuft mit Stellenbewerbungen und Küchenpersonal- Empfehlungen. Was ihn wiederum lehrt, daß man »in Zeiten der Pleite (von deren geistigem Teil ich in meinem Vortrag sprach, der zu allen folgenden Mißverständnissen den Ausgangspunkt bot) keine Witze machen darf, weil sich die stellungsuchende Seele sogar an Juxnachrich- ten wie an einen Strohhalm klammert«, wie er unter dem Titel »Ich warne Stellungsuchende« im »Prager Tagblatt« festhält.110 Häme und Schadenfreude verkneift sich der Hinauskomplimentierte dann im Oktober 1931 in seinem »Nachruf auf ein Lokal«, ganz nach dem Motto »De mortuis nix Böses!«, hält aber doch nicht ohne Stolz fest, daß nun mit der Schließung von »Schwanneke« eingetreten sei, was er in seinem Vortrag geweissagt hatte: »So, wie der Geist heute hier, in getrennten Verschlägen, beisammen sitze, so werde er bald klanglos auseinanderfliegen, es sei nämlich gar nicht der Geist, der hier sitzt, sondern eine oberste Prominenzbehörde, der die Entscheidung darüber obliegt, wer sich mit Recht oder Unrecht zum Konventikel der Ge- sperrtgedruckten zählt. Infolge dieser maßlosen rednerischen Entglei- sung hat mich die Boheme aus ihren Reihen gestoßen. […] Der Zug der Zeit […] geht nämlich gegen das Prominente. Dem von längerer Reise Heimgekehrten scheint es zwar, daß alles, was in dieser Stadt lebt und Betriebsamkeit entfaltet, bloß um den Kurswert seiner vorjährigen Prominenz ringt, sich in diesem Ordinatensystem von Namen und Bekanntheiten, das Berlin heißt, auf dem alten Punkt behaupten will. Aber eben die akute Besorgnis zeigt, daß sie berechtigt ist. Die Namens- währung schwankt mit der Wirklichkeit. / Und darin ist das geschlos- sene Schwanneke ein Symbol. Wäre dieses Lokal nämlich wirklich ein * Um die Sperrstunde zu umgehen, verwandelt sich »Schwanneke« nach der Polizeistunde in einen Klub.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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