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Anton Kuh - Biographie
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288 Aufenthalt für Bohemiens, wäre es eine Kneip- und Unterhaltungs- stätte gewesen, wo Künstler untereinander, will sagen: als Privatleute, beisammensaßen (in der Art wie die Torggelstube in München oder das einmalige ›Schwarze Ferkel‹ in Berlin), dann wäre die Sperre schließlich nichts als eine Übersiedlung, morgen gäbe es ein anderes Schwanneke. Aber nicht nur die wirkliche Börse, auch die Prominenten-Börse steht heute still. Schwanneke war deren heiliger Makler-Saal, hier wurde ge- schätzt, ballotiert, notiert. Man trat nicht ein, sondern auf. Conférenciers waren die Schatzmeister. Nuancen des Grüßens zeigten die geistige Börsenlage an. Keiner redete unbefangen. Auch die privateste, die Frühmorgens-Geselligkeit, schmeckte nach Druckpapier.«111 Als wirke die Kopfwäsche nach, die Anton Kuh den Rezensenten verpaßte, die seinen »Külz-und-Kunst«-Vortrag abschätzig als Schaum- schlägerei bezeichnet hatten, attestiert man ihm nach seiner Stegreif- Rede »Sachlichkeit in der Erotik« beinah pflichtschuldig ausdrücklich, daß er in dieser Sonntagsmatinee vom 16. Feber 1930 im  – mitten in der Ballsaison  – bis auf den letzten Platz gefüllten Deutschen Künstler- theater »in die Tiefe ging und geradezu wissenschaftlich eine neue Art von Philosophie, nämlich lebendige Philosophie brachte«112; daß »seine Definitionen und Formulierungen […] nicht paradox poliert, sondern intellektuell und geistig durchdacht« gewesen seien;113 daß die »Kette aneinandergereihter Pointen-Explosionen […] sehr ernsthaften, ja (er verzeihe das Wort) ›gediegenen‹ Hinter- grund« hätten;114; daß er »dahergeschritten [kam] im Doktor- hute und eine Dissertation« gesprochen habe.115 Kuh stellt eingangs klar, daß zwar »Sachlichkeit in der Erotik« pla- katiert gewesen sei, er aber über »Sachlichkeit und Erotik« spreche, um das (naheliegende) Mißverständnis auszuräumen, er rede in eroticis der Kaltschnäuzigkeit, Keßheit, Abgebrühtheit und emotionalen Stumpf- heit der Neuen Sachlichkeit  – und damit der »Grammophon-Erotik, Berliner Sexualfixigkeit und Okkasionsfreiheit«116  – das Wort. Wahre Sachlichkeit, so Kuh, sei erotisch, wie die »wahre, durchlüftete, aroma- tische, nicht ›gesinnte‹ und gehemmte Erotik sachlich sei«.117 Beim erotischen Menschen befänden sich Leib und Seele im Gleichgewicht, er kenne die Differenz von Trieb und Geist nicht, die dem Unerotischen so viel zu schaffen mache. Der sei »ständig im Zwiespalt, schämt sich, jede Frau sieht ihm an, daß seine Augen anderes sagen als sein Wort, er ist ein ›Gesinnter‹, kein Liebender«.118 Den erotischen Menschen zeichne Unbefangenheit aus, ihm ersticke nicht ein »riesige[r] Überbau von Gesinnung, Prinzipien, Moral-Anschauungen, Vorurteilen usw. die einfache stille Wahrheit des Gefühls […]. Man verweist den Leib auf Berlin, Deutsches Künstlertheater, 16.2.1930, 12 Uhr: Sachlichkeit in der Erotik
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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