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Anton Kuh - Biographie
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290 Pornographen. Es wird sich empfehlen, sich heute vormittags von 11  bis 12 Uhr sowohl den famosen Vortragenden, als auch jene ›deut- schen Mädchen‹, die ihm den Zuhörerraum füllen, etwas genauer anzu- schauen!«122 Sonntag mittag dann in Logen und Parkett des Theaters in der Josef- stadt die bekannten Gesichter der Wiener Gesellschaft, auf den Galerien Kopf an Kopf die große Fangemeinde in aufgeräumter Stimmung, im Foyer raunzend diejenigen, die keine Karten mehr bekommen haben. Kuh improvisiert einen Essay zum angekündigten Thema, in »hundert- prozentige[r] Einheit von Leib und Seele«, wie ihm Heimito Doderer bescheinigt, und damit also, »seinem Kriterium nach, wirklich voll- kommen sachlich! Anders ausgedrückt: […] Seine Gedanken, respektive Tiraden, sind niemals ›ein Rauch, der sein Feuer verleugnet‹«.123 Während die bürgerliche Presse den Vortragenden nach der zwei- einhalbstündigen Rede in den höchsten Tönen lobt, bemüht die Rechts- presse ihr Standard-Schmährepertoire, das Reimpaar »Kuh  – Muh« nämlich  – so seit den späten zehner Jahren das Niveau ihrer Anpöbe- lungen. Die »Dötz« freut sich unter dem Titel »Muh!« hämisch darüber, daß ihre Drohung Wirkung gezeigt hat und das Theater »mit Gemeinde- wachbeamten angestopft« gewesen sei: »Schon in den frühen Morgen- stunden soll in den literarischen Kaffeehäusern Wiens die Schreckens- nachricht verbreitet worden sein, daß der Vortrag des Gott sei Dank! nach Berlin übersiedelten Führers der Wiener und Berliner jüdischen Bohemiens von Nationalsozialisten gesprengt werden sollte. Es ist dazu aber nicht gekommen, einfach deshalb nicht, weil eine kurze Überprü- fung der anrückenden Zuhörerschaft ergab, daß sich deutsche Mädchen und Frauen nicht unter der Zuhörerschaft des Herrn Kuh befanden. Man war im Theater in der Josefstadt wirklich ›unter sich‹. Im übrigen wäre der streitlustigste Kämpfer im Verlaufe des Vortrages zum sanft- mütigsten Lamm geworden: Er wäre bei dem langweiligen Geschwätz unweigerlich eingeschlafen und erst erwacht, als die ›Freunderln‹ des Vortragenden das zweistündige Gemauschel mit hysterischen Beifalls- salven beklatschten.«124  – Im Wortlaut nachgedruckt im »Eisernen Besen« und dort begleitet von lyrischer Leserpost: »Kuh! / Ob du dich Ochs nennst, Kalb, ob Kuh, / Für alle Fälle grunzest du. / Des Sieges über deutsche Frauen / Tatst du zu rühmen dich getrauen / Und mit des Juden frecher Stirne / Nennst ›Deutsche Frau‹ du das, was Dirne. / Die da mit dir in Bars gezecht / Und deinen tranigen Leib geschwächt, / Sind wohl nur niedere Kreaturen, / Gleich ganz verkommenen Wiesenh…, / Für die es doch ganz einerlei, / Ob Eber, Hund, ob Mensch es sei. / Drum, willst du nicht in Spott geraten, / Grunz nicht von Liebeshel-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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