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Anton Kuh - Biographie
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297 tionalgefühl. Der Staat äugt seine Bürger an wie ein patrouillierender Wachmann. Er will nur noch Musterschüler vor sich sehen, nicht mehr Juxbrüder und Eigenbrötler«, so Kuh im Vorwort des »Unsterblichen Österreichers«, der zum einen elegischer Abgesang auf diesen sonder- baren Menschenschlag ist, viel mehr noch aber Beschwörung eines »Miniatur-Paneuropa«14 lange vor Coudenhove-Kalergi, eines verlore- nen Paradieses und dessen Insassen. Ob die k. u. k. Monarchie das kleinere Vorbild einer großen zukünftigen Welt hätte sein können?  – »Gemessen an der Realpolitik«, so W. G. Sebald kategorisch, ein »hoff- nungslos anachronistische[s] Modell eines ökumenischen Reichs«!15 Mögen der Titel und die hinterfotzige Umschlagillustration von Karl Arnold aufs erste die Kitschkulissen einschlägiger Ufa-Filme vorgau- keln  – das ganze Land ein einziger Heuriger, die ganze Stadt ein einziges Kaffeehaus  –, diese »Deutung des Österreichertums aus seinen sinn- fälligsten Erscheinungen« ist mitnichten aus dem Geiste des Gugel- hupfs oder des rosa Zuckergusses über dem mollerten Punschkrapferl geschrieben, unter dem man das behagliche österreichische »Wesen« noch immer glaubt begraben zu können. Das Renitente, Querulatorische gehört ebenso dazu  – »bis zu jenem befreienden Götzzitat, das eine der Säulen österreichischen Lebensgefühls darstellt und übrigens erfrischend hinter jedem Wort, aus jedem Zwischenraum dieses Buches hervor- blickt«, wie ein Rezensent im Berliner »Querschnitt« wohlwollend registriert.16 Kuh stellt die Exemplare seiner Österreicher-Galerie nicht unter einen Glassturz, sondern  – im übrigen auch sich selbst, »und zwar so unseriös und typenhaft, wie man es braucht, um ihm hüben wie drüben seine Sünden zu vergeben«, wie er im Vorwort selbstironisch anmerkt  – vor ein Forum und damit bisweilen bloß. Da stehen sie, die Unsterb- lichen  – neben den Unausrottbaren. Von Kuh schwärmerisch oder boshaft porträtiert, bisweilen auch bauchrednerisch parodiert: Max Pallenberg und seine Rebellion gegen das Wohlgefügte von Silben und Worten, sein Plappern, das jeglichen Sprachsinn konsequent entrech- tet;17 Gisela Werbezirk mit ihrer verschwatzten Elementargewalt, »die- ses Jargonwunder an Leib, Seele und Stimme«– »jede Silbe ein lapsus linguae, jeder Ton ein Exzeß«;18 Hans Moser als Dienstmann: »der marxistische Knieriem; eine magische Verknüpfung aus Hobellied und 8-Stunden-Tag«;19 Girardi: »Der Bürger als Komödiant«;20 Ferdinand Raimund: der »Vorstadt-Hypochonder«;21 Johann Nestroy: »Schopen- hauer im Wurstelprater«;22 Erich von Stroheim, in dessen widerspruchs- vollem Wesen »der Fackel-Kraus mit einem Walzertraum-Niki ver- schwistert scheint«23.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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