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Anton Kuh - Biographie
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301 reicher« Hugo von Hofmannsthals unauslöschlich in Gegensatzpaaren kanonisiert wie: »Handelt nach der Vorschrift  – Handelt nach der Schicklichkeit«; »Selbstgefühl  – Selbstironie«; »Behauptet und recht- fertigt sich selbst  – Bleibt lieber im Unklaren«; »Selbstgerecht, an- maßend, schulmeisterlich  – Verschämt, eitel, witzig«; »Kampf ums Recht  – Lässigkeit«; »Unfähigkeit, sich in andere hineinzudenken  – Hineindenken in andere bis zur Charakterlosigkeit«; »Gewollter Cha- rakter  – Schauspielerei«; »Streberei  – Genußsucht«; »Vorwiegen des Geschäftlichen  – Vorwiegen des Privaten«; »Harte Übertreibung  – Ironie bis zur Auflösung«.51 Sinnfällig symbolisiert sieht Karl Tschuppik »Den kleinen Unter- schied« in ebender Speise, an der schon Kuh im Mai 1931 den un- überbrückbaren Wesensunterschied zwischen »österreichisch« und »deutsch« demonstriert hatte: im Beuschel des Salzburger Gasthofs »Traube«. Tschuppik: »Ich saß einmal mit einem befreundeten Priester in der ›Traube‹ zu Salzburg. Wir aßen eine österreichische Speise: Beu- schel mit Knödel. An unseren Tisch hatte sich ein deutsches Ehepaar gesetzt (es war vor der 1.000-Mark-Sperre). Das fremde Paar interes- sierte sich für unser Essen (wobei leider die Vermutung des Mannes, daß es sich um ›Lungengekröse‹ handle, unsern Appetit fast verdorben hätte). Die Deutschen ließen sich ›Beuschel‹ mit Knödel geben. Es schmeckte ihnen so gut, daß der Mann zur Frau sprach: ›Ach, Klot- hilde, laß dir doch mal vom Direktor die Anweisung geben. Das müs- sen wir zu Hause versuchen.‹ Darauf mein Freund, der gute Öster- reicher: ›Verehrter Herr, so einfach, wie Sie meinen, ist die Sache nicht! Auch dieses Beuschel setzt sechshundert Jahre Habsburg und Katho- lizismus voraus!‹«52 Mit dreihundert Jahren Habsburg und Katholizismus gab sich die »Österreich-Ideologie« des Ständestaats daneben direkt bescheiden: Der spielte die »Entdeckung« des Barock nicht nur als genuin österreichi- schen Bau- und Malstils, sondern und in weiterer Folge überhaupt öster- reichischen Lebensstils und österreichischer Wesensart, als von allen Wechselfällen der Politik unberührter Konstante österreichischer Kultur gleich mehrfach in die Karten. Damit konnte der Scherben aus der Konkursmasse der Habsburgermonarchie zum einen nahtlos anknüpfen an die glorreiche Tradition des Großreichs auf dem Gipfel seiner Macht. Zum anderen konnte man sich als katholisch gegenreformatorisch ge- prägtes Land in Opposition zum deutschen Protestantismus und insbe- sondere zum »neuheidnischen« Nationalsozialismus setzen  – mit einiger Vermessenheit: Kurt Schuschnigg, von 1934 bis zum »Anschluß« Bun- deskanzler des austrofaschistischen Ständestaats: »Österreich hat seine
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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