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Anton Kuh - Biographie
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302 Berechtigung letzten Endes darin, daß es das letzte Stück Abendland in  der Welt ist.«53  – »Herr, gib uns unser täglich Barock« hatte Karl Kraus schon Ende 1922 gegen die »Kulturgroßmacht«-Ambitionen der Salzburger Festspiele geätzt. Auf die skurrile Selbsteinschätzung und Selbstüberhebung  – Aufgabe des österreichischen Stammes sei die Mis- sionierung der nationalsozialistischen Deutschen durch den »besseren Deutschen« aus Österreich  – die staatliche Souveränität Österreichs gründen zu wollen sollte sich jedenfalls als fatal erweisen.54 Kraus war, mit Graf Saurau, einer der wenigen, die der »Österreich«- Euphorie wenig abgewinnen konnten: »das österreichische Antlitz der Wurstigkeit, die sich so lange an das fremde Rückgrat angehalten hat, drängt sich doch in seiner vollen Verächtlichkeit vor und umso wider- licher in dem Fallotenstolz einer schäbigen Valuta, die dem ruinierteren großen Bruder die kalte Schulter zeigt.« Beschämend eine Situation, »wo diesem Deutschösterreich die Zurücksetzung des Deutschtums zustattenkommt und man in Gefahr ist, als Angehöriger eines Muster- knabenpensionats von der Antipathie gegen jenes zu profitieren«; un- appetitlich und »seit jeher eine Anmaßung« der »Überlegenheits- anspruch gegen Berlin«.55 Was »das Österreichische«, »den Österreicher« ausmache, darüber herrscht ansonsten von weit links bis weit rechts seltene Einmütigkeit. Oskar A. H. Schmitz in seinem schmalen Bändchen »Der österrei- chische Mensch« (1924): »barock, sinnlich, katholisch, aristokratisch und gemeinschaftlich«, übernational, »natürliche Brücke zwischen Ost und  West«.56 Anton Wildgans in seiner »Rede über Österreich«: Das Deutschtum des »österreichischen Menschen« sei »durch die Mischung vieler Blute in ihm […] konzilianter, weltmännischer und europäi- scher« als das reichsdeutsche, im Österreichertum sei »das mensch liche Herz und die menschliche Seele« bewahrt, der Österreicher sei »irgend- wie eine Künstlernatur«57  – das »Volk der Tänzer und der Geiger«58 eben. Das Editorial der Sondernummer »Österreich« der (Ber liner) »Literarischen Welt« vom 15. August 1930 mit dem frohgemuten Titel »Österreich in Ewigkeit«: »ein Hauch von Slavischem, ein Glanz von Italienischem«.59 Ernst Karl Winter, Sozialwissenschaftler, Legitimist und ab Feber 1934 kurzzeitig dritter Vizebürgermeister Wiens, der sich als unorthodoxer Rechter für eine breite Volksfront von den Mon- archisten bis zu den Kommunisten zur Abwehr des Nationalsozialis- mus stark macht, strich in einem Referat im Wiener »Kulturklub« mit  dem Titel »Der österreichische Mensch« im April 1936 eine  – un- eingeschränkt positiv besetzte  – »Affinität von Österreichertum und Judentum« heraus.60
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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