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der polnischen »Untermenschen«-Bevölkerung und stellt das Attentat
auf den Reichsaußenminister auch acht Jahre im nachhinein noch als
Heldentat hin.
Kuh: »Heinz der Lateiner, aus dem Heinz der Attentäter wurde, steht
mit einem Mal als Heinz der Memoirenschreiber da. ›Not der Jugend‹,
sagen die vernarrten Gönner, wenn von seinem verhängnisvollen
Lebensabschnitt die Rede ist. Nun, zur Not gehört immer auch die
Gefahr. Old Shatterhand, erlauchtes Vorbild der Jünglinge, die die
Romantik des Indianerspiels in die politische Tat trugen, hat wenigstens
mit vergifteten Pfeilen, Tomahawks, Skalpmessern und dem Marter-
pfahl rechnen müssen. Wo ein solches Risiko fehlt, ist Tatenbeschrei-
bung nur Großmannssucht. Keinesfalls Literatur. Aber das ist ja der
Knacks: die sich heut’ noch ›geächtet‹ nennen, wer ächtet sie? Die Ihren
nicht. Also die Geistigen? Aber auf die kam es ihnen ja nie an! Im Ge-
genteil: der Geist war ihr bekanntes Schußziel. Wollen sie also jetzt,
nachdem sie bereits salonfähig wurden, auch literaturfähig werden und
sich beim Geist lieb Kind machen? Seltsame Wege. Sie morden einen
Buchmenschen und landen in seinem Hafen. Sie schießen auf den
Schreibenden und schreiben Bücher. S. Fischers Rathenau ist tot, und
Herr v. Salomon hat seinen Rowohlt. Lief’s darauf hinaus?«78
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien