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Al-fresco-Paraphrase über einen schweinischen Witz«, weil – »Wort
ohne Welt«.4 Bronnen bezeichnet die »Septembernovelle« in seiner
1954 erschienenen Autobiographie als »eines der frühesten Zeugnisse
faschistischen Geistes in Deutschland«: »Sie ist politisch borniert, ver-
mischt chauvinistische Hetze mit perversem Sadismus, ist im Grunde
auf Zerstörung gerichtet«, Demonstrationsobjekt dafür, »wie Faschis-
mus, Sadismus und Perversion aus der gleichen Stelle der Gehirn-Rinde
stammen«.5
Das »Barbarentum eines Jung-Bronnen«6 und das Fahrwasser, in das
Bronnen mit seiner animalischen, amoralischen, rohen Brutalität gerät,
hat Kuh bei seinen Polemiken von Anfang an im Visier. Zum Drama
»Anarchie in Sillian« (1924), in dem sich mannhafter Arbeitswille und
Pflichtfanatismus gegen die erotischen Anfechtungen des korrumpie-
renden Prinzips »Weib« und das Einbrechen der Anarchie durch Streik
stemmen: »Hochspannungs-Tineff. Eine Kinderei von 2000 Volt Hand-
lung. […] Bronnen aber, gleich dem Bordell-Hinauswürfling, der gegen
das Haustor gottesanklägerisch und ottoweiningerisch die Fäuste ballt,
wirft dem weiblichen Geschlecht den Fehdehandschuh hin: Adieu,
Wollust – ich bin produktiv.«7 Und wenn Kuhs Fazit auch bärbeißig-
launig lautet: »Ceterum censeo: fünfundzwanzig …«, will heißen: fünf-
undzwanzig Hiebe mit dem Stock auf den Hintern, ist ihm doch klar,
daß dieser drastische zeitübliche Umgang mit Rotzbuben dem Übel
nicht steuern wird: »Ich kann mir das Bravogebrüll in deutschen Gauen
vorstellen: ein Neutöner, der alttönt. Das muß etwas für die notori-
schen Hereinfaller werden, die Redezickzack, Dampf und Schwall für
Jugend nehmen. Ein Interpunktionsauslasser, der für Arbeit und Ord-
nung ist! Der Expressionist als Konterrevolutionär!«8
Bronnen versteht sich denn auch späterhin als Nationaldramatiker,
bezeichnet sich 1927 als Vertreter einer »Tendenz der rechten Hand«
und Faschist9 und bewegt sich in den Kreisen rechter Intellektueller wie
Ernst von Salomons, der Gebrüder Jünger, Friedrich Hielschers, Otto
und Gregor Strassers und Ernst Niekischs.
Wie man mit Rotzbuben verfährt: nämlich ihnen ein paar auf den
Hintern aufzuzählen, erscheint Kuh angesichts Bronnens zunehmend
harmvoll sich entwickelnder Tätigkeit unangemessen; er greift, nicht
eben zimperlich, zu drastischeren Mitteln und holt zum Zeitpunkt der
ein setzenden Bronnen-Hausse in einer Nachbetrachtung zur tumul-
tuö
sen Berliner Uraufführung der »Exzesse« am Berliner Lessing-Thea-
ter
– die Vorstellung am 7. Juni 1925 wird durch Pfeifen und Protestrufe
kommunistischer Linker massiv gestört und kann nur mit Mühe zu
Ende gespielt werden
– zu einem Rundumschlag aus, der, wieder einmal,
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien