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Anton Kuh - Biographie
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310 noch mit einem »d« geschrieben worden sei, eben »Schmelz, der Nibe- lunge«, das von der deutschvölkischen Assimilation eines jungen Juden handelt, prophetisch vorgezeichnet. Bereits mehrfach hatte Kuh auf Bronnens Herkunft aus der Wiener Leopoldstadt, dem jüdischen Bezirk Wiens, angespielt und auch schon darauf hingewiesen, daß dessen Vater Deutschprofessor am Leopoldstädter Gymnasium war. Elisabeth Berg- ner gelinge, »was nicht einmal Herr Bronnen (geb. Wien II.) so geschickt zustande bringt: sich aus Braun in Blond zu verwandeln«.15 Ernst von Salomon ist noch zwanzig Jahre darauf, in seinen Memoiren »Der Fragebogen«, pikiert: »Nun hatte sich kurz vorher in den Chorus der bellenden Meute, die Bronnen umstellte, eine gellende Stimme ge- mischt. Sie gehörte einem hinreichend bekannten Literaten aus Wien, mit Namen Anton Kuh, der kurzerhand den Hinweis veröffentlichte, er sei in Wien seinerzeit auf einem Gymnasium Schüler eines achtbaren, aber jüdischen Professors namens Bronner gewesen, und sich die An- frage erlaubte, ob dieser Mann nicht vielleicht der Vater des bekann- ten  Neo-Faschisten Arnolt Bronnen gewesen sei. Dieser Hinweis war allseits mit großem Jubel aufgenommen worden […].«16 Die infame Formulierung: »achtbar, aber jüdisch« beiseite gesetzt  – bei Kuh die schlichte Feststellung, daß er Jude gewesen sei  –, »argumentierte« Kuh mit einiger Berechtigung nicht rein literarisch-ästhetisch: Der Wasch- zettel zum im Rowohlt Verlag erschienenen Roman vermeldete immer- hin: »Dies ist Wirklichkeitsdichtung. Und zugleich Tendenz, die Ten- denz, die Bronnen selbst einmal in die Worte zusammengefaßt hat: Revolutionäre Umgestaltung unsres Daseins nach rechts, nach Nation, Kampf, Risiko, Ideenherrschaft und Reinheit.«17 Bronnen verkörpert für Kuh prototypisch den von ihm in »Juden und Deutsche« gezeichneten übereifrigen Assimilanten. Allem Anschein nach verfängt Kuhs »Intervention«. Von Goebbels in der »Bücherecke« des »Angriff« als »der erste nationalsozialistische Roman großen Stils« gefeiert, geschrieben »aus einer Hingabe heraus, die im Blute entstand und zur Nation durchbricht«18, werden die Partei- genossen kurz darauf im von dessen Intimfeind Alfred Rosenberg be- einflußten »Völkischen Beobachter« vor »O. S.« als Roman eines »Halb- jude[n], der in seinen Werken die geschlechtliche Revolution predigt«, und damit eines »Schädling[s] für deutsches Volkstum«, nachdrücklich gewarnt.«19 Wilhelm Stapel, seines Zeichens völkisch-antisemitischer Literatur- wissenschaftler, stößt sich in einem Nachsatz zu einer Tirade gegen Tucholskys »O. S.«-Verriß an Kuhs »Denunziationseifer«20 und kommt in seiner »Monatsschrift für das deutsche Geistesleben« vierzehn Monate
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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