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Anton Kuh - Biographie
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313 Nestroy, verpreußt  – Anton Kuhs »Lumpacivagabundus«-Bearbeitung Verschandelung1, Vergewaltigung2, »literarischer Lustmord«3: die Kri- tiker lassen kein gutes Haar am »Lumpacicagabundus […] in freier Be- arbeitung von Anton Kuh« der Berliner »Volksbühne«, die am 28. Mai 1931 Premiere hat. Hans Feld benennt in seinem schmetternden Re- sümee im »Film-Kurier« wortspielend den vermeintlichen Übeltäter: »Nestroy, der Schwer[e]lose und Tiefgründige, der in seiner liebenswer- ten Einfachheit vieldeutige Volksdichter«, habe den »Kuh de grâce« erhalten.4 Inwiefern war Nestroy übel mitgespielt worden?  – Aus seinen drei Handwerksburschen auf der Walz waren ausgesteuerte Arbeitslose, Jack-Londonsche Tramps geworden, aus dem im Suff astrologisch delirierenden Schuster ein kannegießernder, aus der idyllischen Heiter- keit der biedermeierlichen »Zauberposse mit Gesang« der bittere Ernst der Weltwirtschaftskrisenjahre. Das Schicksal der drei vazierenden Ge- sellen, die nicht auf dem duftenden Stroh einer Herberge, sondern auf den harten Pritschen eines Fremdenheims übernachten, war in härteren Linien gezeichnet worden. Das Wiener Volksstück war seiner Gemütlichkeit entkleidet und berlinisch »rationalisiert« worden, Alt-Wien in Rede und Gehaben nach Preußen versetzt, die »Zauberposse mit Gesang«, an der »Dreigroschen- oper« geschult, war auf Neue Sachlichkeit gebürstet worden. Die Auf- führung war »verpreußt«, sie klang, »wie wenn jemand sagt: das Dee- arndel; der Bu-app«, ätzt Alfred Kerr.5 Die schmissige Musik von Theo Mackeben wird bisweilen lobend erwähnt, doch so interessant viele sei- ner Songs gesetzt sind, so prickelnd er zuweilen die Worte musikalisch untermalt  – all die hastig tänzelnden und schrillen Rhythmen wirkten deplaciert: Sie paßten zu Nestroy wie die Internationale zu Ferdinand Raimund, findet der Kritiker der »Berliner Börsen-Zeitung«.6 Die Regie von Arthur Maria Rabenalt  – träge, lähmend, zähflüssig  – sorgte für drei endlos lange Stunden Langeweile. Die Besetzung: Ne- stroy-fremd, »Die Drei von der Trampstelle« höhnt der »Film-Kurier«: »lärmgeneigte Theaterbolde, die in einer Provinzstadt von schätzungs- weise 30 bis 35 000 Seelen ein Benefiz absolvieren«.7 Ernst Busch als Zwirn: ein kühler, steifer, lederner Hamburger mit dem nordischen »sp« und »st«; Heinrich Gretler als Leim: zwar mit einer Spur öster-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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