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Anton Kuh - Biographie
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314 reichischen Idioms, aber kreuzbrav; Hermann Speelmans als Knieriem: markierte schwitzend den versoffenen Schustergesellen, das aber mit schmerbäuchigem Phlegma und ohne Komik; Leonhard Steckel als Lumpa ci vagabundus: trocken, humorlos, »weniger ein böser Geist denn ein behaglich plaudernder Kunstbeamter«.8 Allein das Bühnenbild, die sich unaufhörlich wandelnden Deko- rationen Edward Suhrs, der mit Drehbühne und Versenkung im- mer  wieder verblüffende Märchen-Illusionen schaffte, findet einhellig Anklang. Unterm Strich jedoch: »gerupfter, enteigneter, verlangweilter Ne- stroy«9  – und das auch noch ohne »Kometenlied«. Für das  – aus Kritiker sicht  – Desaster verantwortlich gemacht wird der anscheinend »durch Spreewasser ins Berlinische umgetaufte«10 Wiener Anton Kuh. Allein Alfred Kerr11 und Monty Jacobs, die beide erkennen, was Kuhs Bearbeitung und was Regie und Aufführung zuzuschreiben ist, leuch- tet Kuhs Bearbeitung ein  – umso nachdrücklicher nehmen sie die Regie in die Mangel. Monty Jacobs sieht die mißratene Aufführung zudem im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung des künstlerischen Leiters der Volksbühne mit deren Vorstand. Der Generalsekretär des Vereins der Volksbühne, Siegfried Nestriepke, hatte den Direktor, Karlheinz Martin  – ganz entgegen dem ursprünglichen Programm des 1890 ge- gründeten Vereins »Freie Volksbühne Berlin«, der das Theater am Bülowplatz seit 1914 als Bildungsstätte für das Proletariat mit sozial- und zeitkritischen Stücken bespielt  –, unter Hinweis auf die im Gefolge der Wirtschaftskrise drastisch eingebrochenen Besucherzahlen angewie- sen, den Spielplan auf Unterhaltung zu trimmen. Und der Darmstädter Gastregisseur Rabenalt, mutmaßt Jacobs, habe nun in solidarischer Verbundenheit mit Martin auch und gerade der Nestroyschen Zauber- posse den guten Geist der Heiterkeit gründlich ausgetrieben. Er habe Nestriepke treffen wollen  – und dabei Nestroy mausetot geschlagen. Jacobs vermutet gar, daß, »als am Schluß alle Mitschuldigen dieses Atten- tats auf Nestroy vor dem Vorhang aufmarschierten«, der Bearbeiter, Anton Kuh, deshalb fehlte, weil er durch seine Absenz seinen Protest gegen die Inszenierung unmißverständlich habe signalisieren wollen.12 Kuh indessen war bei der Premiere gar nicht in Berlin, so wie er auch keine einzige Probe besucht hatte, weil er sich mit dem Regisseur, dessen »Regimentstochter«-Inszenierung ihn im Winter begeistert hatte, im Einvernehmen über entscheidende Punkte glaubte. In einer Klarstel- lung, die er offenbar gleichlautend an mehrere Redaktionen adressiert  – am ausführlichsten abgedruckt in der »B. Z. am Mittag« unter dem Titel »Lumpazi, ich und die anderen«  –, drückt er generell sein Mißfallen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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