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Anton Kuh - Biographie
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315 über die »Entwienerung« aus, über die Verschiebung von Dialog und Figuren aus dem Heiter-Legeren ins Düster-Präzise, darüber, daß man den ganzen zweiten Akt szenisch mit Stumpf und Stiel zusammen- gehackt hatte. Die Auflistung, Punkt für Punkt, der Freiheiten, die sich der Regisseur dem Kuhschen Textbuch gegenüber genommen hatte, endet damit, daß seine Bearbeitung selbstverständlich das Couplet »Die Welt steht auf kan Fall mehr lang  …« vorgesehen hatte, das in der »Volksbühne« nicht gesungen worden war.13 Da das Publikum den »Lumpacivagabundus« aber durchaus goutiere  – er bringt es auf 38  Aufführungen  –, habe ja, räumt Kuh augenzwinkernd ein, die Volks- bühne, also Rabenalt, gegen ihn recht behalten  – Ob aber Kuh gegen Nestroy recht behalten hat? Neben den zahlreichen Liedern und Rezitativen, um die Kuh den »Lumpacivagabundus« anreichert, sowie Tanzeinlagen, die der Be- arbeitung Revue-Charakter verleihen, betreffen die dramaturgisch wich- tigsten Änderungen, die Kuh an Nestroys Stück vornimmt, die titel- gebende Figur sowie den Schluß. Der »böse Geist« aus dem Feenreich der Rahmenhandlung, Lumpaci, wird in der Bearbeitung als Anstifter, Verführer und Aufwiegler auch durch die sublunarische Handlung des ganzen Stücks geführt. Und den Schluß des Stücks ändert Kuh im Sinne Nestroys gegen Nestroy: Bei Nestroy wird da bekanntlich plötzlich ein friedliches Eiapopeia gezeigt, Zwirn und Knierem haben sich unter der moralischen Einwirkung Leims, der zum häuslichen Herd gefunden hat, gebessert und sind brave Familienväter geworden. Die unverbesser- lichen »Goldkerls« Zwirn und Knieriem, ursprünglich von den Furien in die Unterwelt geholt  – nur Leim, der vergeblich versucht hat, seine beiden Kumpane auf den rechten Weg zu führen, bekennt sich zu einem bürgerlichen Familien- und Berufsleben  –, werden von der Fee Amorosa begnadigt und erscheinen in der Schlußszene als biedere Ehemänner: eine biedermeierliche Schlußidylle, die von Nestroys Zeitgenossen als Parodie aufgefaßt wurde. Dieser Schluß wirkte, wie Kuh im Programm- heft bemerkt, an Nestroys sonstiger Art gemessen, immer gekünstelt und geschwind hinzugefügt. Kuh korrigiert nun Nestroy »in Nestroys Sinn«: Leim, seines langweiligen, monotonen Spießerlebens überdrüs- sig, singt nun: »Das Arbeiten, das Essen, das Trinken und der Schlaf, / Meiner Seel’ ich vertrag’s nicht  – es ist mir zu brav –«, zieht sich in einem plötzlichen Entschluß das alte Wandergesellenkleid wieder an, entflieht der Familienbehaglichkeit und zieht mit seinen Tippelbrüdern wieder auf die Walz. Bei Kuh bessert der solide Tischler  – trautes Heim, Glück allein  – nicht mehr seine liederlichen Freunde, den Schneider und den Schuster,
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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