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Anton Kuh - Biographie
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316 nein, sie bekehren ihn, den Seßhaften, zur Rückkehr auf die Landstraße. Bei Kuh gewinnt der böse Geist Lumpacivagabundus am Schluß die Wette, und der Sieger bei Nestroy, der Feenkönig Stellaris, räumt ihm,  »jenem Volksführer, dessen Weitblick und schicksalsbestimmen- der Kraft einzig die Nachfolge zukommt«,14 seinen Thron. Kuh hat dafür Teile aus der Fortsetzung des »Lumpacivagabundus«, aus dem 1834, eineinhalb Jahre nach dem ersten Teil, uraufgeführten und zwanzig Jahre nach dem ersten Teil spielenden Zauberspiel »Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim oder Der Welt-Untergangs-Tag« verarbeitet, so wie er sich bei ganzen Szenen, die er hinzuerfunden, und einigen Couplets und Gesangseinlagen, die er hinzugedichtet hat, die- ser Fortsetzung und zahlreicher anderer Nestroy-Stücke bediente. Kuhs Knieriem deliriert und phantasiert weniger in astronomischen als in Gesinnungsschlagworten  – man sieht durch die alte Gestalt eine Lieblingsfigur Kuhscher Satire hindurch: den »Parteistotterer«  –, ja man wird im zweiten Akt Zeuge einer Begebenheit, die bei Nestroy im dritten Akt bloß rückerzählend gestreift wird: des Hinauswurfs aus einem Lokal in der Rheingegend, die der reichgewordene Schuster mit seinem Geld und seinen Räuschen unsicher macht. Der »böse Geist« Lumpacivagabundus ist unverkennbar nach Adolf Hitler gezeichnet. In einer langen in einem Wirtshausgarten angesiedelten Szene läßt Kuh den Schuster als politischen Agitator und Versammlungsredner auf- treten und verschneidet die beiden Figuren, indem er mit einer drama- turgischen Finte den Ohrenbläser Lumpaci zum Sprachrohr des völ- kisch Schwadronierenden werden läßt. Die Versammlung läuft aus dem Ruder und endet in einem Handgemenge, in dem Knieriem unsanft hinauskomplimentiert wird. Er torkelt mit zum Racheschwur erhobe- nen Händen aus dem Wirtshausgarten: »Schädel werden rollen.«15 Verwundert über die Nestroy-Sachverständigkeit, die unter den Ber- liner Kritikern plötzlich ausgebrochen ist, kann Kuh der Verlockung nicht widerstehen, deren einschlägiges Wissen in einem regelrechten »Seminar« noch zu erweitern, indem er all jenen, die dem Harmlos- Idyllischen, dem Poetisch-Liebenswürdigen der Zauberposse nachwei- nen, Bescheid stößt und die Freiheiten, die er sich Nestroy gegenüber herausgenommen hat, plausibel macht. Schon im Programmheft der Volksbühnen-Aufführung16 hatte er Nestroy einen »der größten Satiri- ker der Weltliteratur« genannt, dem viel eher als das Prädikat »wieneri- scher Aristophanes« der Beiname »Schopenhauer der Vorstadt« ge- bühre, da dessen Lebenswerk anmute, »als ob Mephisto als Wiener Coupletsänger auf Erden niedergestiegen wäre«. Und darauf hingewie- sen, daß Nestroy von den zeitgenössischen Kritikern als »Schädling
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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