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Anton Kuh - Biographie
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319 lung«, hatte sich Kuh eine Woche vor der Premiere telephonisch an den Chefredakteur gewandt, um ihm klarzumachen, der journalistische Anstand verbiete es, daß Rolf Nürnberg die Premiere bespreche. Da Kraus sich gebärde, als habe er ein Monopol auf Nestroy und Nestroy- Bearbeitungen; und da die über die Jahre gepflegte Feindschaft zwi- schen ihm und Kraus auch in Berlin stadtbekannt sei, werde Nürnberg unter allen Umständen zu dem Schluß kommen müssen, daß Kuhs Bearbeitung »ein Scheißdreck« ist. Kraus führte zudem einen Prozeß gegen die Volksbühne, um eine weitere Aufführung seines vorzeitig abgesetzten Stücks »Die Unüberwindlichen« zu erzwingen. Kuh wird zugesichert, man werde Nürnberg ersuchen, das Referat abzugeben. Und es will ihm aufs erste tatsächlich scheinen, als stamme der mit »Rolf Nürnberg« unterzeichnete Verriß gar nicht von diesem, sondern  – von Karl Kraus höchstpersönlich.25 Denn der von Spott und Hohn triefende Premierenbericht zeuge von derart stupenden Kennt- nissen nicht nur Nestroys, sondern auch des Wienerischen, daß alle Indizien darauf hindeuten, daß Kraus, hinter zwei Masken verschanzt: der Unterschrift »Rolf Nürnberg« und, über seinen Schatten springend, schlechtem Deutsch, sich persönlich dazu herbeigelassen habe, am »12 Uhr Blatt« mitzuarbeiten.26 Tatsächlich wird Kuh in dem mit »Rolf Nürnberg« unterzeichneten Artikel vorgeworfen, in seiner Bearbeitung noch rigoroser vorgegangen zu sein als Leopold Liegler, der den großen Satiriker zum kleinen Dia- lektkünstler gestempelt habe, indem er ihn ins Wienerische übersetzt hatte. Und damit in eine sechs Jahre zurückliegende Wiener Affäre hineingezogen. Leopold Liegler hatte 1925  – die ersten Bände der Rommel/Brukner- schen »Sämtlichen Werke« Nestroys waren gerade erschienen  – einen wahren Glaubenskrieg ausgelöst, als er eine Arbeit unternahm, »die bisher jedem echten Nestroyspieler selbstverständlich, jedem Nestroy- herausgeber aber verboten schien«, nämlich »den Manuskripttext Nestroys ins Wienerische zurückzuübersetzen«.27 Lieglers Begründung: »die mechanische Reproduktion jener papierenen Mißgeburt aus un- zureichender Dialekttranskription und Hochdeutsch, welche die Ne- stroy-Manuskripte so oft darstellen«, sei ein Vergehen an »Wesen und Klang dieser Wortkunst«.28 Nestroy könne »aus der Mundart und ihrem geistig-künstlerischen Klima gar nicht herausgehoben werden«.29 Die »Übersetzung« der Lokalposse »Eine Wohnung ist zu vermie- then« hatte Karl Kraus, der sich in der Nachfolge des Satirikers Nestroy sah, auf den Plan gerufen: In einer Fußnote, die sich unter sechs Seiten seiner Polemik »Nestroy und das Burgtheater« zieht, verwahrt er sich
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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