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Anton Kuh - Biographie
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320 vehement gegen Lieglers Unterfangen, das sich nicht bloß am »Text Nestroys«, sondern insbesondere an »Nestroys Sprachgeist« versün- dige: »Nestroy, der kein österreichischer Dialektdichter, sondern ein deutscher Satiriker ist, ins Wienerische übersetzen heißt ihm eine An- zengrube graben. Was wird aus dem Schillerpathos seiner Domestiken? Wie nimmt sich der klischeezersetzende Witz dieser Geschwollenhei- ten im Einheitsdialekt aus?«30 Die dialektale Einebnung der Nestroy- Partitur bedeute »der Seele des Nestroyschen Sprachwitzes an den Leib gehen, entgegen jener genial widerspruchsvollen Weisung, die für alle diese Typen gilt: ›ohne Scheu zu sprechen, wie ihnen der Schnabel wuchs‹, und eben nicht, wie er ihnen g’wachsen is.«31 »Nestroys Dialekt ist Kunstmittel, nicht Krücke«32, hierin behält Kraus das letzte Wort. Erst das Zusammen- und Gegenspiel der unter- schiedlichen Sprachschichten und Sprechweisen macht den Reiz seiner Partituren aus. Er braucht neben dem Dialekt und der mittellagigen Umgangssprache auch das als gespreizt oder aufgeplustert markierte Hochdeutsch. Denn, wie Franz H. Mautner »mit nur leichtester Über- treibung« zuspitzt: »Die wesentliche Barrière zum Verständnis Nestroys in Norddeutschland ist nicht der Dialekt seiner Figuren, sondern ihr Hochdeutsch.«33 Der Vorwurf Nürnbergs, daß »Nestroys einzigartige Sprache, farbig und parodistisch, breit und scharf, sinnvoll und spitzfindig«, in Kuhs Bearbeitung »verwischt oder verstümmelt« sei,34 ist mit all der polemi- schen Verve, die Kuh gegen ein vermeintliches Komplott der Kraus- Kamarilla entfaltet, nicht ganz vom Tisch zu wischen. Zwar hatte erst die auf »Hart!« gestellte Inszenierung Rabenalts den Nestroy-Dialogen das Federnde, Schwebende genommen, aber bereits das Textbuch der Neu- bearbeitung bietet streckenweise ebendas, was Kuh bei der Vorgabe »Härter!« immer schon befürchtet hatte: »Saftlosigkeit, Ungrazie, Leit- artikelei, Witzmangel, Dürre«. Im Programmheft der »Volksbühne« hatte Kuh seine durchaus nach- vollziehbare Bearbeitungsstrategie offengelegt: Es komme bei der Über- tragung Nestroys in ein anderes Idiom nicht so sehr auf philologische Texttreue als auf die Verständlichkeit des Tonfalls an; dieser Tonfall aber bestehe in der »Frotzelung des Schriftdeutschen schlechthin«. Der Reiz des Nestroyschen Witzes liege in dem Widerspruch zwischen der Gemütlichkeit der Sprache und der Ungemütlichkeit des Inhalts. Um Nestroy verständlich zu machen, brauche man also nichts weiter zu tun, als dessen Figuren aus einem hör- und spürbaren mundartlichen Hinter- halt das Schriftdeutsche in seinem gravitätischen Marsch absingen zu lassen. Und Kuh hat auch die Schwierigkeiten benannt, die Berliner
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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