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bekömmlicher, gesünder und besonders schöner als überall anders; es
sei eine Art von Hunnenmärchen, das Gegenteil zu behaupten« –,
komme man zwar um die Erkenntnis nicht herum, daß man es hier mit
einer unüberbrückbaren »Geschmacksdifferenz« zu tun habe, indes-
sen: »Sag’n ma, es war nix – und – san ma wieder guat!«44
Anton Kuh wähnt sich in dieser steifen Brise um eine der besten
Seiten der Spree-Metropole gebracht: die weltstädtische Gelassenheit,
die »zur Selbstpersiflage neigende Unempfindlichkeit«.45 Und hat im
übrigen schon im Jahr zuvor in einem Interview klargestellt, daß es mit
dem »Hunnenmärchen« vom »Berliner Fraß« nichts mehr auf sich hat:
»Der Österreicher glaubt immer nur von Berlin, daß es die Stadt ist, wo
man schlecht ißt. Aber nicht einmal das ist mehr wahr.«46
Im Juli 1931 berichtet er für die »B. Z. am Mittag« von den Salzbur-
ger Festspielen, unter anderem von der »Stella«-Inszenierung Max
Reinhardts47, von »Orpheus und Eurydike« in der Regie von Karlheinz
Martin und unter dem Dirigat von Bruno Walter48 und der verregneten
Naturtheater-Premiere von »Was ihr wollt« im Park von Reinhardts
Schloß Leopoldskron … – Festspielen mit Hindernissen. Wegen star-
ken Devisenabflusses führt Deutschland 1931 eine Ausreiseabgabe von
100 Reichsmark ein, die »Hundertmarksperre«. Folge: Die Hotels sind
Ende Juli so spärlich belegt wie in der Vorsaison.49 Kuh ist wieder ein-
mal begeistert vom »Menschenschlag, in dem sich Koketterie, Freude,
Sinnlichkeit, Grandezza und Wirklichkeitsgefühl zu einer Art romani-
scher Deutschheit mischt«, der die Atmosphäre auf dieser Insel der
Unaktualität namens Salzburger Festspielwochen prägt, dieses »freu-
dige, doch von einer elegischen Abschiedssonne beglänzte Gestern«,50
und ist hin und weg vom Kinder-»Jedermann« auf dem Domplatz:
»Die Leser der ›Süddeutschen Sonntagspost‹ würden, wenn sie das sähen,
vor Rührung heulen; ich bin ein hartgesottener Sünder, aber es war das
Schönste, was ich bisher gesehen habe, und dabei: Die ›Süddeutsche
Sonntagspost‹-Welt als Salzburger Wille und Vorstellung!‹«51 schreibt
er im Begleitbrief an die Redaktion.
Er selbst sorgt auch für Gesprächsstoff und Anekdoten, die sich
hartnäckig an jeden seiner Schritte heften. Sein meistbesprochenes Salz-
burger Erlebnis referiert Willi Frischauer in Kuhs eigenen Worten:
»›Wissen Sie‹, sagt er, ›die Sensation von Salzburg war die Entrevue
zwischen dem reichsten und dem ärmsten Salzburger Festspielbesucher.
Ahnungslos unterhalte ich mich mit einem amerikanischen Mädchen,
sehr hübsch, sehr nett, da kommt plötzlich Papa. Sonst habe ich das in
solchen Situationen nicht gerne, aber als sie vorstellte, war ich beruhigt.
Es ist doch etwas Eigenartiges, wenn ein kleines Mädchen so sagt:
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien