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Anton Kuh - Biographie
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339 Trost gewesen wäre, daß es »nicht bloß der bedeutende Mann [ist], der legendäre Witzstrahlen aussendet; umgekehrt strömen die Witze immer der namhaften Persönlichkeit zu«23? Es ist ohnehin müßig, am Leichtfaßlichen zu kratzen; die Gefahr ist verschwindend gering, daß dem Hausgebrauch die Henkel entgleiten, mit denen er sich am Klischee festkrallt, das er für die ungefilterte, für nichts als die ungefilterte Wahrheit hält. 1931 – 1932 Mit einem Thema, das in der Weltwirtschaftskrise im Gefolge des »Schwarzen Freitags« aktueller nicht sein könnte, »Warum haben wir kein Geld?«, ist Anton Kuh rednerisch im Herbst und Winter 1931/1932 auf Tour  – »in freiwilliger und ungebetener Stellvertretung für Max Pal- lenberg«, wie in den Vorankündigungen des öfteren zu lesen steht.24 Max Pallenberg, der renommierteste Charakterkomiker der deutsch- sprachigen Bühne, und seine nicht minder berühmte Ehefrau, Fritzi Massary, verlieren ihre Ersparnisse aus zwanzig Jahren  – 227.000 Dollar, in österreichischer Währung gut eineinhalb Millionen Schilling  – beim Krach der niederländischen Amstelbank. Wie viele andere Künstler, denen der über dem Geldinstitut prangende Name »Rothschild« ein Blitzableiter gegen alle Krisengewitter zu sein schien. Und er ist keines- wegs gesonnen, diesen Schlag schicksalsergeben hinzunehmen. Im Gegenteil. Er berserkert in den Amsterdamer Direktionsbüros der Bank wie der rasende Roland und spricht, vielmehr: brüllt am 1. September 1931 bei der Gläubigerversammlung in Wien Tacheles. Er bezeichnet die Vorstände als Diebe, Schwindler und Betrüger, läßt sich über die Mißwirtschaft der Bank aus und, Shylock und Michael Kohlhaas in einem, belegt die Direktoren vom Podium herab mit Ausdrücken, »die allein für ein Dutzend Ehrenbeleidigungsklagen ausreichen«. Aufge- bracht schmettert er in den Saal: »Wenn ein armer Teufel irgendwo eine Semmel stiehlt, wird er eingesperrt. Wenn ein kleiner Händler aus Not einem anderen Geld veruntreut, muß er sitzen und den Verlust erset- zen, die großen Bankdirektoren aber gehen immer frei aus, sie bleiben immer die großen Herren, sie haben immer ihr Schäfchen im Trocke- nen und werden niemals belangt.«25 Und kündigt der verdutzten Ver- sammlung an: »Ich habe es mir zum Lebensziel gemacht, so lange nicht brandt:  … ich soll dich grüßen von Berlin. 1922-1932. Berliner Erinnerungen ganz und gar unpolitisch. Post mortem herausgegeben von zwei Freunden. 5. Aufl. München 1979 [erstmals 1966], S. 130).
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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