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Anton Kuh - Biographie
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352 die Jockeys (»halb Kind, halb Greis«39), die Kellner40, denen er ob ihrer jahrelangen Übung im unverschämten Taxieren der Gäste hohe phy- siognomische Kompetenz zubilligt, die Fähigkeit, jedem, der das Lokal betritt, »bis aufs psychologische Beuschel« zu sehen41, den Greisler (»ein Kleinbürger mit einem Großbürgerbauch  – der Analphabeto-Bour- geois«42), dessen Vetter, den Vollbart-Gymnasiasten (»mit dem ganzen Flaum der Verstucktheit, Klassenbuchangst und Vaterscheu behaftet«43), den Gigolo44, den Reisenden (»Für ein paar Stunden Heimatlosigkeit ist er Weltbürger. Diese kurze Zeit des mobilen Daseins gibt ihm das Gefühl, ein vornehmer Durchgangspassagier der Erde zu sein. Er legt seinem Gesicht ein bißchen Weltläufigkeit und Freundlichkeit als Puder auf, maskiert sich selber als ›Reisebekannter‹. So schmecken ihm die paar hundert Kilometer eines steuerfreien, nirgendshin zuständigen Lebens umso besser.«)45. Mit seiner schauspielerischen Begabung versteht Kuh es auch, die Sprachgestik von Personen zu kopieren. Begnadeter Stimmenimitator, ahmt er den Tonfall ganzer Gattungen nach und trifft ins Herz des zur Karikatur verzerrten Vorbilds. In der Sprache der Figuren von Hof- mannsthals »Unbestechlichem« erkennt Kuh das näselnde wienerische Äh-äh-Aristokratentum wieder: »Die Sprache (sprich: ›Spraoche‹): feu- dal, frei nach Rezept: Du, die Giserl Windischgraetz hot xogt, daß die Relli Auersperg zum Powidldalkerl Starhemberg g’foahrn is  – is’s woahr?«46 Er führt einem stramm völkischen »Durchhalter« und »Reichspost«-Abonnenten die Feder, der sich 1918 in einem Leserbrief an den »Morgen« über das »Friedensgewinsel« christlichsozialer Ab- geordneter echauffiert, hinter dem er Bestechung mit »Judengeld« vermutet.47 Er fingiert sechs Kritiken einer »Minna-von-Barnhelm«- Aufführung, in der Fräulein Dolezal vom Stadttheater Oderfurt in der Titelrolle debütierte: »Der Kritiker, der noch mit Grillparzer gesprochen hat«, »Der durchaus Wohlwollende«, »Der streng Objektive«, »Der zu Einwänden Geneigte«, »Der Ätzende«, »Der Aushilfskritiker«.48 Und malt sich zwei Jahre darauf den Wortlaut aus, mit dem fünf Wiener Kritiker, Alfred Polgar, Leopold Jacobson, Raoul Auernheimer, Hans Liebstoeckl und Felix Salten, sein Auftreten in der Josefstadt-Aufführung von Bernard Shaws Komödie »Fannys erstes Stück« in ihren Bespre- chungen jeweils bedenken werden.49 Als physiognomischer Sachverständiger wäre Kuh jedenfalls erste Wahl gewesen. Vielleicht wäre auch er nicht vor einem Mißgriff gefeit gewesen, wie er ihn im Mai 1936 amüsiert referiert  – und der wiederum das Abwegige einer rassistischen Physiognomik vor Augen führt: Die Herausgeber der teutschen »Gesundheitswacht« rückten Ende 1935 ein
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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