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Anton Kuh - Biographie
Seite - 356 -
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356 Tisch dauernd der Name Karl Kraus fiel, von dem ich natürlich auch nicht wußte, daß er hinter dem roten Vorhang saß, und daß eine heftige Debatte, wie ja schon so oft, über die Bedeutung dieses vielumkämpften Mannes ausgebrochen war. Da ich als Kenner der modernen Literatur wußte, daß Anton Kuh den Kraus-Komplex hat […], konnte ich mir den Inhalt des Gesprächs vorstellen, das ich natürlich nicht hörte, zumal die Gesten des Herrn Kuh immer wilder wurden. Plötzlich sprang Kuh auf, warf beide Arme in die Luft, verzerrte das Gesicht und schrie: ›Ein Bier für Herrn Kraus!‹ (Ich hätte den Satz gar nicht verstehen können, wenn er die neulich in Ihrem sehr geschätzten Blatt ausgedrückte Formel angewandt hätte.) Im selben Moment, kaum war das Wort seinem Munde entflohen, ertönte es hinter dem roten Vorhang: »Halt die Goschen, Krüppel!« und jemand anders sagte a tempo danach  – ebenfalls hinter dem roten Vorhang, aber so laut, daß auch Herr Kuh es hören konnte: ›Der Erpresser-Söldling ist aufgeregt.‹ Kuh wurde leichenblaß und von seiner Gesellschaft in seinem Stuhl niedergedrückt, obwohl er gar keine Anstalten machte, auf den Zwischenruf etwas zu unternehmen. Kurz darauf verließ er mit seiner Begleitung, die von seinem Treiben anscheinend nicht sehr beglückt war, das Lokal. Ich erkundigte mich, wer hinter dem roten Vorhang saß, und hörte, daß Karl Kraus dort mit einigen Bekannten den Abend verbrachte.«3 Der »Berliner Herold« schließt mit dieser Version C die Causa »Das Geheimnis hinter dem roten Vorhang«. Nicht jedoch Karl Kraus. Er klagt Hans Tabarelli, den verantwortlichen Redakteur des »Neuen Wie- ner Journals«, das in seiner Ausgabe vom 7. Feber 1932 unter dem Titel »Wer hat die Ohrfeigen bekommen?« Anton Kuhs Darstellung aus dem »Berliner Herold« nachgedruckt hatte, auf Ehrenbeleidigung und Berichtigung.4 Im Prozeßakt der Kanzlei Samek wird Version B  – »worin der Schriftsteller Anton Kuh in der gehässigsten Weise über ein Erlebnis berichtet, das er in einem Berliner Nachtlokal hatte, in welchem am gleichen Abend auch Karl Kraus anwesend war«  – folgendermaßen referiert: »Kuh berichtet, dass er von seinen Freunden aufmerksam gemacht wurde, dass Kraus sich im Lokal befinde, was er zuerst nicht glauben wollte; nach wiederholten Versicherungen seiner Freunde, dass es doch wahr wäre, bestellte er mit lauter Stimme angeblich einen ›Kno- bel-Penez‹ (gebähtes Fettbrot). Er wurde von einer Stimme hinter dem Vorhang, wo angeblich Kraus sass, zur Ruhe gemahnt. Er führt nun in dem Artikel weiter aus, dass er sich auf diesen Ordnungsruf hin auf keine weitere Diskussion eingelassen hatte, weil er Kraus so gering schätze und achte, dass er ihm nicht einmal einer Beleidigung wert er- scheine.« Die Klagsschrift hält fest, daß sich die Szene »in Wirklichkeit
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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