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Tisch dauernd der Name Karl Kraus fiel, von dem ich natürlich auch
nicht wußte, daß er hinter dem roten Vorhang saß, und daß eine heftige
Debatte, wie ja schon so oft, über die Bedeutung dieses vielumkämpften
Mannes ausgebrochen war. Da ich als Kenner der modernen Literatur
wußte, daß Anton Kuh den Kraus-Komplex hat […], konnte ich mir
den Inhalt des Gesprächs vorstellen, das ich natürlich nicht hörte, zumal
die Gesten des Herrn Kuh immer wilder wurden. Plötzlich sprang Kuh
auf, warf beide Arme in die Luft, verzerrte das Gesicht und schrie: ›Ein
Bier für Herrn Kraus!‹ (Ich hätte den Satz gar nicht verstehen können,
wenn er die neulich in Ihrem sehr geschätzten Blatt ausgedrückte Formel
angewandt hätte.) Im selben Moment, kaum war das Wort seinem
Munde entflohen, ertönte es hinter dem roten Vorhang: »Halt die
Goschen, Krüppel!« und jemand anders sagte a tempo danach
– ebenfalls
hinter dem roten Vorhang, aber so laut, daß auch Herr Kuh es hören
konnte: ›Der Erpresser-Söldling ist aufgeregt.‹ Kuh wurde leichenblaß
und von seiner Gesellschaft in seinem Stuhl niedergedrückt, obwohl er
gar keine Anstalten machte, auf den Zwischenruf etwas zu unternehmen.
Kurz darauf verließ er mit seiner Begleitung, die von seinem Treiben
anscheinend nicht sehr beglückt war, das Lokal. Ich erkundigte mich,
wer hinter dem roten Vorhang saß, und hörte, daß Karl Kraus dort mit
einigen Bekannten den Abend verbrachte.«3
Der »Berliner Herold« schließt mit dieser Version C die Causa »Das
Geheimnis hinter dem roten Vorhang«. Nicht jedoch Karl Kraus. Er
klagt Hans Tabarelli, den verantwortlichen Redakteur des »Neuen Wie-
ner Journals«, das in seiner Ausgabe vom 7. Feber 1932 unter dem Titel
»Wer hat die Ohrfeigen bekommen?« Anton Kuhs Darstellung aus
dem »Berliner Herold« nachgedruckt hatte, auf Ehrenbeleidigung und
Berichtigung.4 Im Prozeßakt der Kanzlei Samek wird Version B –
»worin der Schriftsteller Anton Kuh in der gehässigsten Weise über ein
Erlebnis berichtet, das er in einem Berliner Nachtlokal hatte, in welchem
am gleichen Abend auch Karl Kraus anwesend war«
– folgendermaßen
referiert: »Kuh berichtet, dass er von seinen Freunden aufmerksam
gemacht wurde, dass Kraus sich im Lokal befinde, was er zuerst nicht
glauben wollte; nach wiederholten Versicherungen seiner Freunde, dass
es doch wahr wäre, bestellte er mit lauter Stimme angeblich einen ›Kno-
bel-Penez‹ (gebähtes Fettbrot). Er wurde von einer Stimme hinter dem
Vorhang, wo angeblich Kraus sass, zur Ruhe gemahnt. Er führt nun in
dem Artikel weiter aus, dass er sich auf diesen Ordnungsruf hin auf
keine weitere Diskussion eingelassen hatte, weil er Kraus so gering
schätze und achte, dass er ihm nicht einmal einer Beleidigung wert er-
scheine.« Die Klagsschrift hält fest, daß sich die Szene »in Wirklichkeit
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien