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Anton Kuh - Biographie
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363 finden sich gut hundert Freunde, Kollegen und Sympathisanten ein, um Abschied zu nehmen. Ossietzky hatte sich im November 1931 für einen 1929 in der »Welt- bühne« erschienenen Artikel Walter Kreisers, der Machinationen der Reichswehr aufgedeckt hatte, als verantwortlicher Redakteur vor dem Reichsgericht in Leipzig wegen »Landesverrat« und »Verrat militäri- scher Geheimnisse« zu verantworten. Kreiser hatte unter dem Pseud- onym Heinz Jäger und dem Titel »Windiges aus der deutschen Luft- fahrt«22 über die unter Deckbezeichnungen wie »Erprobungsabteilung« getarnte heimliche Aufrüstung der deutschen Luftfahrt geschrieben, die laut Versailler Vertrag verboten war, und aufgedeckt, daß dafür vom Reichstag für die zivile Luftfahrt bewilligte Gelder verschoben wurden. Obwohl das Auswärtige Amt auf Anfrage von Ossietzkys Anwalt ein- gestehen muß, daß von »Geheimnisverrat« im inkriminierten Artikel keinesfalls die Rede sein kann, da der Haushaltsausschuß des Reichstags das Rüstungsprojekt in öffentlicher Sitzung erörtert hat, wird auf Druck des Reichswehrministeriums der aus dem Kriegsjahr 1914 datierende Spionageparagraph aus dem Hut gezaubert, um die Öffentlichkeit aus »sicherheitspolitischen« Gründen von der Verhandlung auszuschließen und Angeklagten wie Anwälten strikte Schweigepflicht aufzuerlegen. Das mediale Interesse am sogenannten »Weltbühne«-Prozeß (17. und 19.11.1931) war enorm, und in öffentlicher Verhandlung wäre die Reichs- wehr vor aller Welt bloßgestellt gewesen. Ossietzky steht vor dem berüchtigten Reichsgerichtsrat Alexander Baumgarten. Der hat im Jahr davor jenen Hochverratsprozeß vor dem IV. Strafsenat des Reichsgerichts geleitet  – gegen drei Ulmer Offiziere, die entgegen einem für Reichswehrangehörige geltenden Verbot, sich politisch zu betätigen, für die NSDAP geworben hatten  –, in dem das Gericht am 25. September Adolf Hitler als sachverständigen Zeugen zu der Frage vernommen hat, ob die NSDAP eine »umstürzlerische« Partei sei. Hitler benutzte die Gelegenheit für eine zweistündige Propaganda- rede, in der er erklärte, seine Partei  – seit den Wahlen vom 14. Septem- ber hinter der SPD die zweitstärkste Fraktion im Reichstag  – wolle auf legalem Weg die Macht im Staat übernehmen, und die in die Drohung mündete: »Wenn unsere Bewegung siegt, dann wird ein neuer Staats- gerichtshof zusammentreten […], dann allerdings werden auch Köpfe in den Sand rollen.«* * Die »Boxheimer Dokumente«  – detaillierte Pläne der hessischen NSDAP- Führung zur gewaltsamen Installierung einer faschistischen Diktatur (inklu- sive Errichtung von Konzentrationslagern sowie Einsetzung von Stand-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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